Vereinsleben

15.11.2023: Kurfürst Karl Theodor und die Societas Meteorologica

Palatina. Der Beginn der internationalen Klimaforschung – Referent: Dr. Peter Winkler

Es war die Spätphase des Zeitalters der Aufklärung gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in der als Folge der Französischen Revolution (1789) das Bürgertum die Macht der weltlichen und klerikalen Feudalherren in Frage stellte. Der führende deutsche Philosoph Immanuel Kant veröffentlichte sein epochales Werk, das eine Revolution des Denkens markierte. Auf allen Gebieten der Naturwissenschaften wurden Erkenntnisse von weitreichender Bedeutung für
die Zukunft der Menschheit generiert. Es war die Stunde der Meteorologie, die Ursachen und Wirkung von Wetterphänomenen auf der Basis sachlicher und analytischer Arbeitsweisen zu ergründen suchte und so mit manchem Aberglauben der Menschen aufräumte.

Dr. Winkler aus Weilheim, der Leiter des Observatoriums auf dem Hohenpeißenberg von 1993 bis 2005 und durch seine jahrelangen Forschungen der wohl beste Kenner der bayerischen Klimaforschung, entwarf vor den Zuhörern aus dem Historischen Verein ein wissenschaftsgeschichtliches Panorama, ausgehend vom Hof des Kurfürsten Karl Theodor in der Pfalz (seit 1742) bis hin zur weltweit ersten Berg-Wetterstation (1781) auf dem Hohen Peißenberg. 

Der vielseitig gebildete Kurfürst unterhielt in seinem Schloss in Mannheim bereits ein von seinem Hofkaplan Johann Jakob Hemmer geführtes physikalisch-meteorologisches Kabinett und gründete eine Pfälzische Meteorologische Gesellschaft, die Societas Meteorologica Palatina. Nach der Idee von Stephan von Stengel schuf Hemmer vor allem auf deutschem Gebiet, aber auch verbreitet im europäischen Ausland, ein internationales Wetterbeobachtungsnetz (s.Abb.)

 

Karte mit dem Stationsnetz der Societas Meteorologica Palatina (1781-1792)

Trotz der Entfernungen verstand man es zu bündeln. In Datenbänden,
den Mannheimer Ephemeriden, wurden die Ergebnisse der regelmäßigen Messungen tabellarisch dokumentiert und ausgewertet. Das Messsystem bestand auch nach dem Wechsel von Karl Theodor nach Bayern von 1780 bis 1795. Die Ephemeriden mussten wegen zu hoher Druckkosten schließlich aufgegeben werden.

Im Jahr 1781begann man auch auf dem Hohen Peißenberg, der dafür ein idealer Standort war, mit der Beobachtung und Auswertung von Wetterphänomenen, die auf der Basis langjährig gesammelter Datenmengen Wettervorhersagen ermöglichten und auch heute noch wegen ihrer Genauigkeit als wichtige Quelle für die Klimaentwicklung dienen. Traditionell förderten Klöster und unterstützten oft einzelne Geistliche, die selbst Physiker waren, die Forschung. So brachte Hemmer auf Anweisung von Propst Ambrosius Mösmer auf den Klostergebäuden
in Rottenbuch und auf dem Hohen Peißenberg, zu dessen Wirkungsbereich die Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg gehörte, die ersten Blitzableiter an. Der Schongauer Geistliche und Physiker Franz Xaver Epp (1733 – 1789) hatte bereits 1776 für die Montage des ersten Blitzableiters in Bayern auf einem Haus in München gesorgt. (Über diesen Geistlichen und Physiker berichtete P. Winkler im Welf 2021.)

Als 1803 die Säkularisation die Klöster schwer traf, bestimmte Minister Maximilian Joseph von Montgelas, dass die regelmäßigen Messungen auf dem Hohen Peißenberg, bisher von Patres des Augustiner Chorherrenstifts Rottenbuch erhoben, nun von den Weltgeistlichen am Berg fortgesetzt wurden. Bis heute werden diese Messungen durch den Deutschen Wetterdienst mit modernsten Methoden weitergeführt. Im Vergleich mit den komfortablen Arbeitsbedingungen, den digitalen Hilfsmitteln und der Erfahrung heutiger Meteorologen nötigt uns allerdings
die Leistung der Wissenschaftler in den Anfängen der meteorologischen Forschung großen Respekt ab. – Der Vortrag war auch ein Beitrag zum 300. Geburtstag des Kurfürsten Karl Theodor (1724 bis 1799).

© Text und Bild: Karin Motz-Glasow

18.10.2023: Fahrt nach Freising mit Kostbarkeiten in der Umgebung

Auf dem Programm dieser Exkursion standen am Vormittag der Besuch des Diözesanmuseums am Domberg, am Nachmittag Tüntenhausen und Haag an der Amper. Die recht kleine Gruppe des Vereins startete in einem bequemen Kleinbus zeitig früh, um noch Zeit zu haben, bei der Ankunft in Freising einen Blick in den Dom zu werfen. Einer Domführung stand die aktuelle Schließung von Krypta und Maximilianskapelle entgegen. Während der Fahrt bot Frau Paula Schmalzl-Giamattei, selbst ehemalige Schülerin in Freising, eine Einführung in die Geschichte und die Besonderheiten der Stadt. Für den Dombesuch wurde der Gruppe von der Assistentin des Domrektors liebenswürdiger Weise eine ausreichende Zahl an Faltblättern bereitgestellt. Dann wandte sich die Gruppe dem gegenüberliegenden, im vergangenen Jahr neueröffneten Diözesanmuseum zu. Im ehemaligen Knabenseminar untergebracht, ist der klassizistische Atriumbau im modernen Gewand dank Einsprengseln zeitgenössischer Kunst und dem Spiel mit Licht und Farbe ein Raum zum Verweilen geworden. In ihrer einstündigen Führung vermittelte Frau Dr. Ruth Langenberg nicht nur Interessantes zu einzelnen Ausstellungsstücken. 

Sie informierte auch zur Geschichte von Bau und Museum bzw. zu den verschiedenen Konzepten der einzelnen Abteilungen. Eine Übersicht, die die Augen öffnete und zur vertieften Beschäftigung einlud. Wie schön, dass hier aus der Fülle der Sammlung einzelne Kunstwerke, wohl aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, aber aus der Nähe und vorteilhaft in Szene gesetzt betrachtet werden können. Außerdem können sie oft mit ähnlichen Objekten, darunter immer wieder Werken moderner Kunst, verglichen werden.  Nach der Erholung in der Mittagspause und dem Angebot, sich im Museumsrestaurant zu stärken, ging es ins Umland von Freising. Hier waren unsere Führer Frau Mag. theol. Angelika Brunnbauer und Herr Josef Schmalzl. Wie die Stadt Freising war auch das Umland nach der Säkularisation großteils von tiefgreifenden Veränderungen betroffen. Diese waren am Nachmittag im Hintergrund spürbar. Zunächst führte Frau Brunnbauer durch St. Michael von Tüntenhausen (Abb.).

Die Gruppe an der Kirche St. Michael von Tüntenhausen. Rechts: Frau Mag. Angelika Brunnbauer.

Auf dem Hügel über den wenigen Häusern des Dorfs Tüntenhausen gelegen, beeindruckt der stattliche Turm des ursprünglich gotischen Baus, der nach 1700 barockisiert wurde. Im Inneren überrascht die üppige Ausstattung. Eine Besonderheit ist der Ortsheilige Eberhard (Namenstag 27. Sept.), dessen Vita jeder gesicherten Quelle entbehrt, dessen Verehrung aber schon für das Spätmittelalter nachgewiesen ist. Ihm ist der Seitenaltar über seinem Reliquienschrein gewidmet. Frau Brunnbauer machte die Gruppe auf die runde Öffnung unter dem Schrein aufmerksam, der die Bauern früher zum Schutz des Viehs vor Krankheiten eine spezielle Heilerde entnahmen, die man an der Amperleite finden konnte. Die stattliche Kirche war ehemals als Filiale der Pfarrei Haindlfing dem Kloster Neustift inkorporiert. Herr Schmalzl führte auch aus, dass die Kirche von Herrschaftsgrenzen umgeben war. Selbst stand sie auf oberbayerischem Gebiet, unweit nördlich verlief durch die Amper die Grenze nach Niederbayern. Der durch Tüntenhausen fließende Bach bildete bis 1803 die Grenze zum südwestlich gelegenen Fürstbistum Freising. Nach der Säkularisation wurde Tüntenhausen zunächst eine eigene Pfarrei, aber ohne Pfarrhaus. Christoph Ott, später Pfarrer von Hohenpeißenberg, musste sich hier unmittelbar nach seiner Approbation 1830 für ein Jahr als Pfarrvikar bewähren.  Von da fuhr die Gruppe zum Abschluss in das nordöstlich gelegene Haag an der Amper. Hier waren die Grafen von Lodron, aus dem Trentino kommend, nach Einheirat 1632 über 200 Jahre Herren der Hofmark. Herr Josef Schmalzl, ein profunder Kenner der Adelsfamilie, verwies zunächst von der Ortsmitte aus auf das ehemalige Schlossgelände, wovon nur mehr das Bräuhaus und Teile des Schlossparks an die Blütezeit unter den Lodrons erinnern. Von dort lenkte er den Blick auf das barocke Ensemble, bestehend aus der Pfarrkirche und den beiden Bruderschaftshäuschen. Dann stieg die Gruppe zur Kirche St. Laurentius hinauf und Herr Schmalzl erklärte detailreich die Besonderheiten des mit Mitteln der Lodron von dem Stuckator Franz Xaver Feichtmayer d. J. und dem Hofmaler Christian Wink im Spätrokoko-Stil erneuerten Gotteshauses (Abb).

Herr Josef Schmalzl erklärt die Besonderheiten der Pfarrkirche St. Laurentius in Haag a. d. Amper.

Nach Brand 1779, daher nur wenige Jahre nach der Barockisierung, wurden alle Schäden rasch beseitigt, wobei die beiden Künstler wiederum beschäftigt wurden. Die Bruderschaftshäuschen aus dem 18. Jahrhundert am Aufgang zur Kirche, sind, wie Herr Schmalzl ausführte, Zeugen der großen Verbreitung der „Maria Trost und Gürtelbruderschaft der hl. Monika“, die ebenfalls von den Grafen von Lodron hier eingeführt worden war. – Nach dem gemütlichen Abendessen in Haindlfing traten die Exkursionsteilnehmer den Heimweg an.

© Text und Bild: Heide Maria Krauthauf

29.09.2023: „Der Stadtwald von Schongau. Ein Spaziergang“, geführt von Stadtförster Klaus Thien

Bei bestem Wetter trafen sich an die zwanzig Mitglieder des Vereins vor dem Trachtenheim auf der „Helgoland“ genannten Anhöhe, Perlachstraße 1. Von hier erstreckt sich ein Stück des Stadtwalds bis hinter den Schwalbenstein. Mit insgesamt etwa 530 Hektar Stadtwald und den dazugehörigen 120 Hektar der Heilig-Geist-Spital-Stiftung verfügt Schongau über ein ungewöhnlich großes Waldgebiet von 650 Hektar (siehe Abb.).

Forstrat Klaus Thien zeigt auf der Karte die Verteilung der Schongauer Stadtwaldgebiete.

Die Hauptverantwortung, dieses zu pflegen, trägt seit über 30 Jahren Klaus Thien, der Leiter des städtischen Forst- und Gartenbauamts. Obwohl, so Herr Thien, dies ein kurzer Zeitraum ist, verglichen mit dem Wachstum der Bäume und ihrem Alter, hat sich seither das Bild des Waldes deutlich verändert. Zwar stehen immer noch ein paar mächtige Fichten, an die 120 bis 140 Jahre alt. Aber dazwischen entdeckt man eine bunte Vielfalt von Sträuchern, Laubbäumen und anderen Nadelbäumen. Das kommt nicht von ungefähr, sondern wird durch gezielte Pflege erreicht. So wird bei der Fällung von großen Bäumen das Nutzholz zunächst nur sparsam ausgelichtet und erst dann der Einschlag erweitert, wenn durch Samenflug aufgegangene Buchen und Eichen eine gewisse Höhe erreicht haben. 

Damit wird verhindert, dass Fichten, die die Sonne lieben, den langsamer wachsenden Laubbaumarten über den Kopf wachsen und sie verdrängen. Das passend zu steuern, verlange viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, erläuterte Klaus Thien. Aber es spare die Kosten für teure Setzlinge. – In jüngster Zeit müsse wohl oft auf Unwetter und Wetterveränderungen reagiert werden. „Kalamitätsnutzung“ nennt der Fachmann den Fall, wenn ganze Flächen des Walds durch Windbruch verloren gehen oder wenn Hitze und Trockenheit dem Wald Schäden zugefügt haben. Der Klimawandel hat bewirkt, dass die Borkenkäfer nun dreimal statt früher zweimal im Jahr schlüpfen, was eine große Bedrohung darstellt. In diesen Fällen werden zur nötigen Aufforstung Bäume gesetzt, die dem hiesigen Klima „tropische Hitze, aber ebenso hohe Frostwerte“ standhalten. Roteichen aus Nordamerika etwa oder Baumhaseln und Walnussbäume. Dabei muss der Förster stets auf die jeweilige Bodenart achten, die hier im Staffelauwald sehr wechselt. Deshalb wurde der Untergrund durch ein engmaschiges Netz von Bodensondierungen kartiert.

Aktuell arbeiten mit Herrn Forstrat Thien zwei Forstwirte und zwei Azubis in der Waldpflege. Für etwa 50 bis 60 Prozent der nötigen Arbeiten werden Dienstleister beschäftigt. Regelmäßig wird von der Aufsichtsbehörde der Zustand des Waldes geprüft und das städtische Forstamt in der Person von Herrn Thien legt jedes Jahr dazu einen Bericht vor. Auf dieser Basis wurde die Stadt Schongau im Jahr 2011 mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft ausgezeichnet. Sie erhielt einen von maximal vierzehn für ganz Bayern (7 Bezirke) ausgelobten Preisen. – Der Stadtwald wird erhalten, wenn möglich erweitert, da er nicht nur der Erholung dient und als Wasserspeicher, sondern auch ein wichtiger Kohlenstoffspeicher ist und ein Heim für Tiere. Vor 100 Jahren war das noch anders, erinnerte Thien die Exkursionsteilnehmer. Damals gab es für vieles nur das Holz, vor allem als Brennstoff. Wegen Plünderungen und als Reparationsleistungen wurden nach den beiden Weltkriegen viele Flächen abgeholzt. Davon sei aber heute nichts mehr zu merken – zum großen Glück der heimischen Bevölkerung, so das positive Fazit des Forstrats.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

02.08.2023: Die Heilige Kapelle in der Klosterkirche von Andechs – Führung mit Dr. Toni Aigner

Die Besuchergruppe des Historischen Vereins, im Rücken der Gruppe vermutet man Teile der mittelalterlichen Andechser Burg.

Andechs ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort und wird wegen der dort aufbewahrten Reliquien, dem Andechser Heiltumsschatz, als Heiliger Berg bezeichnet. Aber wo und wie dieser heilige Schatz aufbewahrt wird, wissen viele nicht.

Das Ziel der Mitglieder des Historischen Vereins war es nun, gerade diesen in genaueren Augenschein zu nehmen. Ermöglicht wurde dies durch Dr. Toni Aigner aus Tutzing, der sich mit der Geschichte dieser Reliquien und deren Bezug zum Haus Wittelsbach wissenschaftlich beschäftigt hatte. So wusste er auch für die Gruppe die Türe in der Nordwand der Wallfahrtskirche aufzuschließen, durch die man über eine Treppe die Heilige Kapelle erreicht. Dr. Aigner verriet den Teilnehmern, dass es für den so bedeutenden Heiltumsschatz schon im Mittelalter drei Schlösser gab. Einen Schlüssel verwahrte der Herzog, die zwei weiteren besaßen der Abt und der Konvent. Darum dauerte es oft lange, bis mit dem herzoglichen Schlüssel aus München die Kapelle endlich geöffnet werden konnte.

Zu der Kapelle selbst hatte darum wohl selten jemand Zutritt bekommen. Doch die Monstranz daraus wurde und wird den Wallfahrern, die besonders in der Woche mit Christi Himmelfahrt nach Andechs kommen, „gewiesen“, so der ursprüngliche Ausdruck der Segnung. Diese Monstranz beherbergt den wertvollsten Kern des Heiltumsschatzes, drei in kostbarem Silber gefasste Hostien. Der Legende nach weisen alle drei Blutspuren verschiedener Art auf. Darum ist das Dreihostienfest der feierliche Höhepunkt des Jahres. Es wurde in Andechs ursprünglich am vierten Sonntag nach Pfingsten gefeiert, heute begeht man das Fest am Kirchweihtag, dem letzten Sonntag im September.

Dr. Aigner führte Einzelheiten zu weiteren wertvollen Stücken der durch Verlust und Ergänzung geprägten Geschichte der „Heiltümer“ aus. So gehört zu dem Schatz auch das sogenannte Siegeskreuz Karls des Großen, ein kleinformatiges Kruzifix, das im Typus dem des Großen Gotts von Altstadt ähnelt, weiters das Brautkleid der hl. Elisabeth, ein Stück der Dornenkrone aus der Saint Chapelle von Paris, Reliquien der Katakombenheiligen, die im 18. Jahrhundert aus Rom kamen, und so manches mehr. Links hinter dem kunstvollen Gitter, das die Neugierigen in geziemendem Abstand zu dem altarähnlichen Schrank mit den wertvollsten Pretiosen hält, steht eine mächtige Opferkerze von Herzog Maximilian, der als Sieger der Schlacht am Weißen Berg die Kurfürstenwürde erhielt.

Insgesamt beeindruckt der spätgotische Raum mit den eisenbeschlagenen Türen und dem Glasfenster mit der heiligen Elisabeth im Vorraum zur Kapelle. Elisabeth wie ihre Schwester, die heilige Hedwig, stammen aus der Grafenfamilie der Andechser, mit denen hier am Berg alles begann. Hier hatten die Andechser ihren Stammsitz bis zur Zerstörung ihrer Burg und dem erbenlosen Tod des letzten Andechser Grafen um die Mitte des 13. Jahrhunderts.

Danach glaubte man den Reliquienschatz verloren. Doch er wurde 1388, so die Legende, auf wunderbare Weise durch eine Maus mit einem hinweisenden Zettel wiedergefunden. Diese Szene ist auch auf einem Wandbild in der Kirche festgehalten.

Die Wittelsbacher errichteten hier Anfang des 15. Jahrhunderts ein Chorherrenstift, das dann 1455 das Benediktiner Kloster überging. Der Bezug des Hauses Wittelsbach zu dem Ort war stets eine sehr enger. Die im Kern frühmittelalterlichen Reliquien lieferten den Beweis für die Vornehmheit und gottgegebene Macht der Familie. Einige ihrer Mitglieder wählten schon im Mittelalter die Kirche als Begräbnisstätte und seit 1980 gibt es den speziell für die Familie errichteten Friedhof unterhalb des Klosters.

Die im Kern spätgotische Kirche erhielt zum 300-jährigen Klosterjubiläum 1755 unter dem tatkräftigen Abt Bernhard Schütz (1746–1759) ihr heutiges Aussehen, erstrahlt so von bedeutenden Künstlern ausgestaltet und ausgestattet im Glanz des Rokokos. Dr. Aigner erklärte uns ihren Innenraum als Wallfahrtskirche mit Altären, die man umrunden kann, was die müden Pilger an ihrem Ziel die zurückliegenden Mühen vergessen lässt. Nach der Säkularisation 1803 bewahrte das Andechser Heiltum die Kirche vor der Zerstörung. 1850 wurde Andechs dem von König Ludwig I. gegründeten Benediktiner Kloster St. Bonifaz als Priorat zugeordnet. Das bedeutete für die seit dem Mittelalter nie unterbrochene Wallfahrt einen kräftigen Anschub.

Zum heutigen Besuchermagnet wurde der Heilige Berg auch dank der klostereigenen Bräuwirtschaften. Dankbar für die erlebnisreiche Führung durch Dr. Toni Aigner stärkte sich die Gruppe des Vereins nach der Führung durch Kapelle und Kirche im Bräustüberl. Im munteren Gespräch ging der sommerliche Ausflug zu Ende und nach Regen am Morgen begleitete die Sonne die Exkursionsteilnehmer auf ihrem Heimweg.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

23.05.2023: Die Karmeliten in Schongau. Pater Ulrich Dobhan spricht über seinen Orden

Stadtpfarrer Norbert Marxer begrüßt P. Dr. Ulrich Dobhan OCD.

Etwas mehr als achtzig Jahre gab es Unbeschuhte Karmeliten in Schongau. Heute profitiert die Heiliggeist-Spital-Stiftung von dem zirka 140 Meter langen Klostertrakt an der Stadtmauer, der ein behagliches und geschütztes Ambiente für die betreuten Senioren schafft. Nun, zweihundertzwanzig Jahre nach der Aufhebung des Klosters und der Vertreibung der Ordensbrüder, kamen zwei Karmeliten nach Schongau. Pater Dr. Ulrich Dobhan war der Einladung der Pfarreiengemeinschaft Schongau und des Historischen Vereins gefolgt und hatte den jungen Frater Josef Maria mitgebracht. Sie kamen aus München, wo sich am Mittleren Ring unweit der Donnersberger Brücke das Provinzialat für Deutschland befindet, mit der Kirche St. Theresia.

Pater Ulrich war es ein Anliegen, Grundsätzliches über den Orden, seine Geschichte und seine theologische Ausrichtung zu vermitteln. Darum blickte er zurück auf die Anfänge im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge, als fromme Männer auf dem Karmel, einem küstennahen Gebirgsstock, ein Einsiedlerleben führten. Die Eremiten, die sich nach dem Berg Karmeliten nannten, bekamen vom Patriarchen von Jerusalem eine erste Ordensregel, zogen dann über das Meer und ließen sich in Europa nieder. Das waren die Anfänge des Stammordens.

Danach kam Pater Ulrich auf seinen Orden, die Unbeschuhten Karmeliten, zu sprechen. Dieser reformierte Ordenszweig stütze sich auf die Denkweise und die Lebenssicht seiner Ordensgründerin, der hl. Teresa von Avila (1515 bis 1582). Sie wollte Jesus ganz nahe sein. Ihr Weg war das Innere Beten, das absichtslose Verweilen bei dem Mensch gewordenen Gott. Es waren viele, die ihr folgten, die Beten und Leben als Einheit sahen. Einer, der ihrem Denken sehr nahestand, war Johannes vom Kreuz (1542 bis 1591), der den männlichen Zweig des Ordens gründete. „Das Blicken Gottes ist Lieben“, so formulierte Pater Ulrich Dobhan dessen Zugang zum Herrn. Für seine Geisteshaltung musste Juan de la Cruz, wie er auf Spanisch hieß, auch ins Gefängnis und das beflügelte ihn zum Verfassen von Gedichten, die als große Dichtkunst gelten.

Das war das Herzstück von Pater Ulrichs Vortrag, die religiöse Botschaft, Jesus als einen Freund zu sehen, ihn „absichtslos und unverzweckt“ im Herzen zu tragen, frei von Wünschen und Hintergedanken, wie Dr. Ulrich Dobhan es formulierte. Wer in Jesus nichts als die Kraft der Liebe sehe, dem könne nichts mehr passieren, der gehe dankbar und zufrieden durchs Leben. „Lassen Sie sich auf dieses Gefühl ein, Sie werden sehen, wie wohltuend das ist“, wandte sich der Pater ans Publikum.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

13.05.2023: Führung durch die Europäische Holocaustgedenkstätte, das KZ-Außenlager Kaufering VII

Tonröhrenbaracken und Gedenksteine für jeweils ein Heimatland der Internierten.

Gut zwanzig Teilnehmer hatten sich angemeldet, um mit dem Kurator der Gedenkstätte, Herrn Alfred Platschka, das Areal des Außenlagers VII zu erkunden. Dieses sowie die anderen zehn Außenlager Kaufering des KZ Dachau bestanden nur von Juni 1944 bis Ende April 1945. In dieser Zeit wurden im Lager VII rund 55 Erdhütten zur Unterbringung für die zeitweise bis zu 2.000 männlichen Lagerinsassen errichtet. Ebenso insgesamt sechs Tonröhrenbaracken. In dreien dieser Baracken waren ca. 270 weibliche Lagerinsassen auf engstem Raum untergebracht. Die internierten Häftlinge bestanden aus verschiedenen Volksgruppen. Zumeist waren es Juden aus den baltischen Kriegseroberungsgebieten, aber es kamen auch Gefangene aus anderen europäischen Ländern. Sie mussten in den unterirdischen Produktionsstätten für den Bau des Kampfflugzeugs Me-262 Schwerstarbeit leisten. Die Bunkerbaustelle Weingut II befand sich an der Stelle der heutigen Welfenkaserne.

Für die Exkursionsteilnehmer war es schwer vorstellbar, unter welch unsäglichen Umständen die Gefangenen hier lebten. Sie litten an Hungerödemen, unter körperlichen Misshandlungen erkrankten an Typhus. Trotzdem mussten sich diese Häftlinge täglich unter strenger Bewachung zur Produktionsstätte schleppen. Und es waren doch auch Menschen, die sich im Miteinander oft gegenseitig halfen, einander stützten und von denen viele ihre Überlebenshoffnung nie aufgaben.

Blick in eine Tonröhrenbaracke.

 

Ab Anfang 1945 wurde Kaufering VII dann zum Krankenlager umfunktioniert. Etwa 2.000 Tote dieses Lagers wurden in der Nähe in einem Massengrab verscharrt. Insgesamt zeugen verschiedene KZ-Friedhöfe im Großraum Kaufering von den insgesamt über 6.500 Opfern dieser grauenvollen Haftbedingungen.

Kranke, nicht mehr arbeitsfähige Gefangene wurden kurz vor Kriegende in das Lager IV (Hurlach) verlegt. Die restlichen schickte man auf den „Todesmarsch“ nach Dachau und weiter nach Bad Tölz, wo sie dann von den US-Streitkräften befreit wurden.

Mit viel Ehrgeiz und ehrenamtlicher Arbeit ist man seit Jahren dafür tätig, den vielen Opfern des gesamten Kauferinger Lagerkomplexes ein ehrenvolles Andenken und Beachtung zu gewähren. Kaufering VII ist heute durch die Europäische Holocaust Gedenkstätte Stiftung das einzige Lager, in dem noch originale Bauten erhalten sind bzw. 2014 bis 2017 fachgerecht restauriert wurden. Diese Gedenkstätte an der Erpftinger Straße kann als Zeuge der Gräuel, die sich nie wiederholen dürfen, in regelmäßigen Führungen besucht werden.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

19.11.2022: Besuch in Kohlhunden in der größten Villa rustica des Allgäus

Die Gruppe aus Schongau und Umgebung im römischen Bad. Im Vordergrund die Apsis des Bads, worin sich das Kaltwasserbecken befand. Die Führer Gero Buhl und Herbert Eigler, 3. und 2. von links. © Heide Krauthauf

Eine Gruppe des Historischen Vereins Schongau machte sich auf, um die Villa rustica in Kohlhunden bei Marktoberdorf zu erkunden. Dort wurden die Exkursionsteilnehmer von zwei Vorstandsmitgliedern des Fördervereins, Gero Buhl und Herbert Eigler, detailreich informiert. Sie lernten, dass der römische Gutshof aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi erst vor 20 Jahren beim Bau der neuen Umgehungsstraße entdeckt wurde und wegen der vielen Gebäude als die größte Anlage im Allgäu gilt. Zentrales Objekt der Besichtigung war das Badgebäude, das als einziges freigelegt wurde. Es bot für das tägliche Bad der etwa 60 Bewohner dieses römischen Landguts allen Komfort. In dem Schutzbau des Bads ist auch das Opfergeschirr ausgestellt, das unter der heute vorbeiführenden Umgehungsstraße gefunden wurde. Die Archäologen sprechen von den zwei Dutzend Gefäßen, die damals mit Inhalt den Göttern geopfert wurden, als von einem Sensationsfund.

Kohlhunden ist wie Schongau, Peiting, Altenstadt, Epfach, Bernbeuren und Schwangau Teil der Arbeitsgemeinschaft Alpenrand in Römerhand – Ein Museum an sieben Orten. In all diesen Orten finden sich unterschiedliche römische Besiedelungsspuren. Deshalb kam auch nach der Führung die Vorstandschaft des Vereins von Kohlhunden mit ihren Gästen im Café Grünwald zu intensiven Gesprächen zusammen und erfreulicher Weise waren vier Orte der ARGE mit dabei.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

01.08.2022: Lankreisreform vor 50 Jahren - Luitpold Braun im Gespräch mit Manfred Blaschke

Altlandrat Manfred Blaschke (links) im Gespräch mit seinem Nachfolger Luitpold Braun (rechts). © Manfred Ellenberger

Der Landrat des Landkreises Weilheim-Schongau von 1996 bis 2008, Luitpold Braun, interviewte Manfred Blaschke, den Landrat des Landkreises Schongau von 1970 bis 1972, dann des Landkreises Weilheim-Schongau von 1978 bis 1996. Seit 1968 im Landratsamt beschäftigt, war Braun selbst Zeuge des Übergangs und konnte so aus eigenen Erfahrungen zur Diskussion beitragen. Schwerpunktmäßig ging es bei dieser Veranstaltung im Stadtmuseum um den Übergang des Altlandkreises in den neuen stark vergrößerten Landkreis. Dabei wurden zunächst die Probleme der Landkreisbildung selbst angesprochen. Der Übergang war dann wohl eine einschneidende Maßnahme, auch für Manfred Blaschke, der sich scherzhaft erinnerte, wie er am 30. Juni 1972 als zweitjüngster Landrat in Bayern verabschiedet wurde und nächsten Tags, dem 1. Juli, als Landrat der „jüngste Ruhestandsbeamte“ war.

Ein Gutteil des Gesprächs beinhaltete die Entwicklungen durch die und seit der Reform, die Braun zu der provokanten Frage veranlasste, ob der Landkreis Weilheim-Schongau eine Fehlplanung gewesen sei. Blaschke konnte nicht umhin, auf die historische Unterschiedlichkeit der drei Partner Schongau, Weilheim und Penzberg zu verweisen und stimmte auch dem Problem der Entfernung und mangelnden Verkehrsanbindung zwischen West und Ost zu. Abschließend sah Blaschke aber auch auf die Veränderungen in den gut 25 Jahren seit seiner Pensionierung und meinte, es sei wohl eine Untersuchung wert, was seitdem an neuen Landkreisaufgaben hinzugekommen sei.

© Text: Heide-Maria Krauthauf © Bild: Manfred Ellenberger

11.05.2022: Schongau im bayerischen Eisenbahnnetz

Die Mitglieder des Historischen Vereins waren eingeladen, an den Schongauer Bahnhof zu kommen, um sich vor Ort über „Schongau im bayerischen Eisenbahnnetz gestern, heute und morgen“ zu informieren. Zu all diesen Themen referierte Andreas Holzhey mit Blick auf Bahnanlagen und Bahnhofsgebäude ausführlich und anhand wissenschaftlicher Untersuchungen. Die anschließende Diskussion bewies das Interesse an der Thematik.

Nicht nur als Verkehrsplaner, auch aus persönlichem Engagement war und ist der Diplomingenieur für Verkehrswesen bereit aufzuzeigen, inwiefern Zugverbindungen der Region von Nutzen waren, es heute sind und in Zukunft sein können. Mit der Stadt Schongau wie umliegenden Gemeinden ist er gern und immer wieder im Gespräch, um anhand von Straßenverkehrsaufkommen, der Entwicklung von Einwohner-, Arbeitsplatz- und Pendlerzahlen die Rentabilität der Investitionen in das Zukunftsprojekt Schiene statt Straße darzustellen. Darum waren mit Bürgermeister Sluyterman auch weitere Vertreter der Stadtverwaltung gekommen, um vor Ort zu hören, wie ab 1922 über fünf Jahrzehnte hinweg Schongau ein Eisenbahnknoten war, mit Linien ins Allgäu sowie über Landsberg und Kaufering nach Augsburg und über Weilheim in Richtung München oder Garmisch. Im Personenverkehr wird heute nur noch die Strecke Schongau – Weilheim mit Anschlüssen nach München und Garmisch bedient. Diese Strecke ist aber, wie Holzhey ausführte, nur für geringe Achslasten zugelassen, daher nicht für den Güterverkehr geeignet. Im Gegensatz dazu ist die Strecke nach Landsberg nach Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren dafür sehr wohl geeignet. Deshalb rollen dort auch Güterzüge mit einer Länge bis zu 400 Meter, die jeweils bis zu 40 LKW-Fahrten vermeiden.

 

Andreas Holzhey bei seinen Ausführungen am Bahnhof. Das Thema der Möglichkeiten einer besseren Anbindung von Schongau an das bayerische Eisenbahnnetz stieß auf großes Interesse. Unter den Anwesenden Bürgermeister Sluyterman und weitere Vertreter der Stadt, Kreisheimatpfleger Erhard und einige „Eisenbahner“

Für den Personenverkehr seien laut Holzhey zwei Verbesserungen sehr wünschenswert. Einerseits die durchgehende Verbindung von Schongau nach München, die aber wegen der bereits stark frequentierten Strecke Garmisch – München schwer realisierbar sein könnte. Ferner die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke Schongau – Landsberg – Augsburg. Dieses Projekt wird derzeit sehr umworben, leider aber nicht von sämtlichen Anrainergemeinden ausreichend unterstützt. Doch nur so könnte es zum Vorteil für alle bezüglich Mobilität und Klimafreundlichkeit eine Chance bekommen. Andreas Holzhey benannte in diesem Zusammenhang Sicherheitsauflagen, wodurch zum Beispiel für die Verlängerung der Strecke zum Krankenhaus nur ein neues elektronisches Stellwerk infrage komme, das allein Millionen im zweistelligen Bereich verschlingen würde. Ein solches wäre dann aber auch die Basis für die ganze Strecke bis Landsberg. Deshalb betonte Holzhey die Notwendigkeit der überregionalen Sichtweise über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg und dass sich die Nutzung eines Netzes erst mit der Verknüpfung benachbarter Linien richtig entwickeln würde. Dieses befördere dann nämlich nicht nur Pendler und bringe Reisende bequem und direkt an ihre Reiseziele, sondern könne auch umgekehrt den Landgemeinden durch bessere Erreichbarkeit Standortvorteile verschaffen.

Es waren die Ressourcen vor Ort, Wasserkraft und Waldreichtum, die die Familie Haindl motivierten, neben der Fabrik in Augsburg einen zweiten Standort in Schongau zu planen. Aber für den Bau der Holzstofffabrik entscheidend war die Anbindung an Augsburg durch die 1886 erweiterte Eisenbahnstrecke von Landsberg bis Schongau. Ab 1902 übernahm Schwiegersohn Anton Holzhey die Werksleitung und seitdem war die Familie Holzhey auch maßgeblich verantwortlich für die florierende Entwicklung der Papierfabrik, deren erste Papiermaschine 1905 in Betrieb ging. Neues wagen führt zum Erfolg. So könnte auch heute durch den dafür notwendigen Beschluss der Aufgabenträger und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft eine Zugverbindung nach Augsburg zukunftweisende Weichen stellen. Aber nur, wenn alle Gemeinden an der Strecke diese Chance sehen und öffentlich entschlossen dafür auftreten. Diese Botschaft vermittelte Andreas Holzhey den über 40 Interessenten bei diesem Treffen am Schongauer Bahnhof eindrücklich durch Zahlen und Fakten.

© Text: Heide-Maria Krauthauf  © Bild: Stefan Lisch

 

12.03.2022: Alles kommt vom Bergwerk. Spurensuche des Kohlebergbaus am Hohenpeißenberg

Am Steigerhaus in Hohenpeissenberg.

Bei frühlingshaftem Wetter gingen zwanzig Mitglieder des Historischen Vereins Schongaus auf Spurensuche zu den Ursprüngen des Kohlenbergbaus am Hohen Peißenberg. Geführt und informiert wurden sie vom Peißenberger Knappenvereinsvorstand Rudolf Hochenauer. Die Begrüßung mit einem „Glück Auf“ am Hohenpeißenberger Rathaus übernahm Bürgermeister Thomas Dorsch, der dabei auf die Wichtigkeit des Bergbaus für die Entwicklung des Ortes Hohenpeißenberg hinwies. 

Der Spaziergang führte vom Rathaus aus die Blumenstraße entlang. Hochenauer machte die Gruppe auf die noch gut erkennbare Bausubstanz der einstigen Bergmannshäuser aufmerksam und informierte zur Geschichte und Entwicklung dieses Ortsteils. An der Nordseite der Blumenstraße findet sich noch ein Bergmannshäuschen aus den 1920er Jahren, das heute unter Denkmalschutz steht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich noch etliche Bergmannshäuser aus den 1950er Jahren. In ihnen wohnten einst mindestens 2 Familien, teils auch mit mehreren Kindern. Viel Platz gab es da nicht, die Wohnungen waren klein und meist sparsam eingerichtet. Das kindliche Leben spielte sich meist draußen ab. Die Schule war bis Ende der 1960er Jahre oben auf dem Berg neben der Wallfahrtskirche. Die Kinder mussten täglich, Sommer wie Winter und bei jedem Wetter, oft weit bergauf zur Schule laufen. Hochenauer selbst ging noch einige Jahre auf dem Berg zur Schule und erinnerte sich, dass das auch mal Vorzüge hatte. Wenn sich ein Unwetter ankündigte, dann schickten die Lehrer die Kinder einfach früher nach Hause. 

Der nächste bedeutende Haltepunkt war ein unscheinbares Brücklein zwischen Glückaufstraße und Am Steinfall, unter dem der Eierbach, früher Aybach, durchfließt. Auch hier wusste Rudolf Hochenauer eine amüsante Geschichte. Durch die Aussprache des Aybachs im Dialekt als „Oabach“ wurde ihm in der topographischen Karte der Name „Eierbach“ gegeben. Noch interessanter aber war der Blick auf den Graben selbst. Hier erkennt man noch sehr gut die Kante der einstigen Bergehalde. Es war die erste Bergehalde des Bergbaus am Hohen Peißenberg. Die dort befindlichen Häuser stehen auf Material, im Bergbau „Berge“ genannt, das beim Strecken- oder Kohlenabbau mit gefördert und, weil unbrauchbar, an der Halde verkippt wurde. 

Die nächste Station war das 1841 errichtete Steigerhaus der königlichen Grubenverwaltung und Sitz des Steigers, bis dieser 1875 nach Unterpeißenberg, in das heutige Peißenberg, wechselte. Zunächst eingeschossig erbaut, wurde es wenige Jahre später um ein weiteres Geschoss erweitert. Es steht unter Denkmalschutz und ist heute in Privatbesitz. Unmittelbar neben dem alten Steigerhaus kommt man zum Hauptstollen, ein Relikt aus der Anfangsphase des staatlichen Kohlenbergbaus am Hohen Peißenberg. 1837 angeschlagen, förderte man bereits 1840 aus diesem Stollen Kohle. Der Stollen wurde in eine Länge von 432 Metern getrieben. Die hier gewonnene Steinkohle bildete sich, als vor zirka 26 Millionen Jahren bei tropischem Klima phasenweise Moore mit Torf unter den Meeresspiegel gerieten und Schichten entstanden. In diesen Schichten, später Kohleflöz genannt, entwickelte sich durch hohe Druckeinwirkung im Inkohlungsprozess die uns bekannte Kohle.

Im begehbaren und renovierten Museumsstollen.

In zwei Gruppen durften die Teilnehmer, mit Helm und Maske ausgerüstet, in den etwa 100 Meter begehbaren und renovierten Museumsstollen „einfahren“ bzw. einwandern. Der Stollen wurde damals in mühseliger Handarbeit aus dem Sandstein geschlagen. Nur bei weichem Material erfolgte ein Ausbau mit Metallstreben, hinten gut erkennbar. Hochenauer demonstrierte der Gruppe mit welchem Geleucht (bergmännisch für Leuchtmittel in der Grube) die Bergleute damals ausgestattet waren. Das elektrische Licht ging aus und die Gruppe stand vermeintlich im Dunkeln. Nur eine alte Öllampe spendete Licht, nicht mehr als eine Kerze. Kaum vorstellbar, wie die harte Arbeit durch das schlechte Licht erschwert worden war. Das Mundloch des Hauptstollens wurde vor einigen Jahren liebevoll renoviert und der Nachwelt wieder zugänglich gemacht. Wieder im Freien angekommen, ging die Zeitreise weiter. 

Die Gruppe spazierte zum Unterbaustollen an der Straße „Unterbau“ bei der Grubenrettungsstelle (heute BG Rohstoffe und Chemische Industrie). Der Unterbaustollen wurde 1847 angeschlagen und liegt in gleicher Linie, allerdings 70 Höhenmeter tiefer und etwa 300 Meter südlicher als der Hauptstollen. Der Kohleflöz wurde nun vom Unterbau aus weiter abgebaut. Bereits 1869 schlug man dann den wiederum 140 Höhenmeter tiefer liegenden Tiefstollen (heute Bergbaumuseum Peißenberg) an. Ab diesem Zeitpunkt verlagerte sich der Bergbaubetrieb mehr und mehr nach Unterpeißenberg. 1912 wurde der Schacht am Werksgelände in Unterpeißenberg abgeteuft und bereits 1915 Kohle von dort aus gefördert. Durch das Absinken des Kohleflözes Richtung Süden musste man immer tiefer gehen. Der Wetterschacht am Hohenpeißenberg (Nähe Bahnhof Hohenpeißenberg) wurde ab 1937 abgeteuft und entwickelte sich im Laufe der Jahre mit 1150 Meter zum tiefsten Schacht in Bayern. 

Der interessante Spaziergang zu den Ursprüngen des Kohlenbergbaus am Hohen Peißenberg und in Peißenberg endete mit einer Erkenntnis von Rudolf Hochenauer: „Alles kommt vom Bergwerk“. Hochenauer lieferte dazu überzeugende Beispiele: Es geht am Küchentisch mit Besteck und Teller los. Das Besteck wird aus Erz, der Teller aus Kaolin (weißer Ton) hergestellt. Auch bei Lithium-Batterien werden die notwendigen Erden von Bergleuten gewonnen. Die Gemeinden Hohenpeißenberg, Peißenberg und Peiting (wo ab 1920 bis 1968 Kohle abgebaut wurde) sind jedenfalls noch heute stolz auf ihre Bergbaugeschichte. Der Bergbau war es auch, der diese drei Orte aus einem Dornröschenschlaf weckte.

© Text und Bilder: Marino Weiss

26.06.2021: Wanderung mit Jürgen Krätzig von der Barbara-Kapelle in Hohenbrand in den Weiten Filz. Auf den Spuren der Moorleiche und des ehemaligen Torfwerks Peiting.

Auch Kunst gibt es im Moor. Jürgen Krätzig vor der Stele des hl. Leonhard, von Bildhauer Buchner/Peiting, auf der Rückseite eine Eule, geweiht 2000.

Erste Station an der Barbara-Kapelle

Der heutige Grundstücksbesitzer Jürgen Krätzig hatte ehemals den Hinweis bekommen, dass die Kapelle St. Barbara (von der Straße nach Hohenpeißenberg aus, in Hohenbrand rechts gut sichtbar) baufällig sei. Daraufhin erwarb Herr Krätzig die Kapelle vom Besitzer und unterzog sie einer Generalsanierung. Das Wandbild der hl. Barbara hinter dem Altar ist geblieben. Neu hinzu kam als Spende eine Madonna mit Kind und der neue Besitzer ließ Hinterglasbilder anfertigen, die von Fride Wirtl aus Peiting stammen.

Links neben dem Altar findet sich eine Gedenktafel an die tödlich verunglückten Torfarbeiter. Rechts auf einer zweiten Tafel wird der tödlich Verunglückten im Kohlenbergwerk Peiting gedacht.

Die Gruppe rastet und folgt gespannt den Ausführungen von Herrn Krätzig. Dieser erklärt die Stelle, wo die Moorleiche gefunden wurde.
Wanderung durch den Weiten Filz

Zunächst hörten die Exkursionsteilnehmer, was Herr Krätzig jährlich an Zeit und Geld in die Renaturierung des Moorgebiets investiert. Er hatte 1992 im Weiten Filz ein großes Gebiet zunächst nur gepachtet, dann im Jahr 2000 etwa 110 ha gekauft. Er wollte das Moor erhalten, als Beitrag zum Natur- und Klimaschutz. Nur so können sich seltene Arten entfalten. Voller Stolz wies Krätzig die Gruppe auf die Besonderheiten der Flora und Fauna hin.

Die Gruppe erreichte den See, wo früher das Torffeld war. In diesem See wurde 1957 die Moorleiche, von Mutter Krätzig „Rosalinde“ getauft, gefunden. Der Fundort liegt südlich des Sees, ungefähr markiert durch eine Erle. Die Geschichte des Torfwerks begann für die Familie Krätzig, als die Firma Momm in Kaufbeuren für ihre Rohbaumwolle eine schonende Trocknungsmöglichkeit suchte. Die Lösung war der Kontakt zu Ludwig Krätzig, dem Vater von Jürgen, der ab 1945 für die Herzogsägmühle bemüht war, das verwahrloste Torfwerk wieder zum Laufen zu bringen. Die Firma Momm pachtete erst und kaufte hernach im Jahr 1954 das Torfwerk. Ludwig Krätzig war bis 1973 Geschäftsführer, dann wurde der Betrieb von der BHS übernommen. Es gab mehrere Techniken des Abbaus, auch je nach Verwendungszweck, als Brennmaterial, als balneologische Mittel, als Blumenerde (Marke „Fiori“) oder als kleine Streutorfballen (Marke „Peitinger Zwerg“).

Von der Wanderung zurückgekehrt, bot Herr Krätzig den Teilnehmern einen Überblick über bedeutende Moorleichen, die einige 1000 Jahre alt sein können. Das Alter der Peitinger „Rosalinde“ wird dagegen nur auf ca. 700 Jahre geschätzt. Der Nachmittag war für alle Teilnehmer auch deshalb ein Erlebnis, weil alle spürten, wie sehr Herr Krätzig dem Moor verbunden ist. Als 5-Jähriger kamen er und seine Familie als Vertriebene hierher, sie wurden im Weiherhof einquartiert. Das Moor wurde seine Heimat, ihm gilt seine ganze Liebe, unter dem Motto: „Jeder muss im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas tun, damit die, die nach uns kommen noch a bissl a Freid ham.“

© Text und Bilder: Heide-Maria Krauthauf

03.03.2021: Andacht mit Pfarrer Jost Herrmann in der evangelischen Kirche von Schongau

An die dreißig Leute hatten sich eingefunden, einige von Amts oder Berufs wegen, aber die meisten allgemein interessiert, um die neugestaltete Dreifaltigkeitskirche im Rahmen einer Andacht zu besuchen.

Pfarrer Jost Herrmann nützte die Gelegenheit, die Anwesenden, wohl in der Mehrzahl keine Gemeindeglieder, an die Geschichte zu erinnern: wie es in dem letzten Jahrzehnt vor 1900 für die kleine evangelische Gemeinde hier in der Stadt nicht mehr tragbar war, die Gottesdienste im Ballenhaussaal und in der heutigen Musikschule abzuhalten, auch weil die Zahl der Evangelischen deutlich zugenommen hatte. Schließlich bekamen sie die Genehmigung für einen Kirchenbau auf einem Grundstück „weit draußen vor der Stadt“ und tatsächlich konnte, trotz Kriegsbeginn, durch die tatkräftige Zuhilfe „katholischer Handwerker“ der Bau 1915 fertiggestellt und 1916 geweiht werden.

Pfarrer Herrmann zitierte aus der Botschaft des Mindelheimer Pfarrers anlässlich der Einweihungsfeier an die Kirchengemeinde: Nicht das Wichtigste sei das Haus aus Stein, sondern dass sie selbst „lebendige Steine“ würden und schließlich aus der Kraft der Heiligen Schrift, der Sakramente und des Gebets selbst „ein Tempel Gottes aus lebendigen Steinen“. Diese Gedanken verband Pfarrer Herrmann im Anschluss mit dem Gebet, dass alle lebendige Steine der weltweiten Kirche werden mögen.

Im Folgenden betrachtete Pfarrer Herrmann die neuen Prinzipalien, indem er auf ihre Funktion und Bedeutung einging. Den Anfang machte er mit dem Ambo, der in der evangelischen Kirche Lesepult genannt wird und wo „die Verkündigung von Gottes Wort auf das ‚echte, alltägliche‘ Leben der Gemeinde und ihrer Menschen“ treffe. – Von hier aus verkündete Pfarrer Herrmann danach auch die Losung des Tages mit den Bibelstellen Psalm 6,2 und 1.Thessalonicher 5,9.

Die einzelnen Teile der Andacht wurden durch Musikstücke unterbrochen. Kirchenmusiker Till Twardy hatte dafür kurze Stücke von Johann Sebastian Bach ausgewählt, die in ihrem zarten, frischen Klang den Möglichkeiten des kleinen Leihinstruments (die Orgel ist noch nicht fertig) sehr entgegenkamen.

Dann kam Pfarrer Herrmann auf das Taufbecken und den Altar als den beiden Orten der Sakramente zu sprechen. Unter anderem betonte er, dass die Taufe kein Schutzzauber sei, aber wir spüren sollten, dass daraus das Versprechen Gottes erwachse, „keinen Weg im Leben alleine gehen zu müssen“. Dazu zitierte er Mt. 28,19-20.

 

Dann erwähnte Pfarrer Herrmann, dass es der Kirchengemeinde so wichtig war, durch die Renovierung die Glasmalerei der Fenster im Altarraum besonders hervorzuheben. Diese stammen nämlich von dem „mit Abstand bekanntesten evangelischen Kirchenkünstler“ der 1960er bis 1980er Jahre, der noch dazu als Schongauer Künstler angesehen werden könne. Die drei Fenster nehmen mit „Weihnachten, am Anfang war das Wort – Passion und Ostern – Pfingsten mit dem Heiligen Geist“ Bezug auf die Dreifaltigkeit, den Titel der Kirche.

Die Künstlerin der neuen Prinzipalien, Sabine Straub, hatte ihren Entwurf bewusst auf diese Fenster mit den schwarzen Rahmen bezogen und dabei durch die Leichtigkeit, besonders beim Altar, erreicht, dass die Fenster als abschließendes Element des Altarraums den Blick auffangen und damit das bildübergreifende Thema der Dreifaltigkeit hervorheben. Zugleich strahlen sie mit ihrer Farbkraft in den sonst weiß-grau-blau gehaltenen Raum aus und verleihen ihm eine insgesamt zurückhaltend edle Wirkung. Von den früheren Prinzipalien wurde nur das goldene Holzkreuz von Karlheinz Hoffmann links vor dem Chorbogen aufgestellt, als Gegengewicht zur massiven Kanzel der Erstausstattung.

Zuletzt sprach Pfarrer Herrmann noch von der zentralen Bedeutung des Altars als Tisch des Herrn. An ihm versammelt sich die Gemeinde, um das Abendmahl zu empfangen und dabei die Nähe Gottes zu erfahren. – Vom Altar aus formulierte er abschließend noch Bitten der Gemeinde an Gott, bevor der Kirchenmusiker mit einem fröhlichen Marsch die bemerkenswerte Stunde beschloss.

Die Nachwirkung war spürbar. In gebührendem Abstand wurde vor der Kirche noch manches Wort gewechselt, ehe sich die Einzelnen nach und nach auf den Heimweg machten.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

29.09.2020: Zeitreise durch 285 Jahre Gärtnerei-Geschichte

Eigens an die Mitglieder des Historischen Vereins war die Einladung ergangen, am 4. Oktober an einer Führung durch die noch bis zu 1. November laufende Ausstellung „Gärtnerei Pröbstl – 285 Jahre“ im Stadtmuseum Schongau und an einem Spaziergang zu deren Geschichte teilzunehmen. Die 29-jährige Kuratorin der Ausstellung Anna-Lina Pröbstl war hierzu gemeinsam mit ihren Eltern Rupert und Iris Pröbstl, die gegenwärtig die Gärtnerei in der achten Generation führen, sowie mit Luitpold Sedlmeier gekommen. Nach einer allgemeinen Einführung führte sie Corona bedingt mit ihrer Mutter die rund 20 Teilnehmer in zwei Gruppen durch die Ausstellung. Dabei stellte sie sich auch den Fragen zu den ausgestellten Exponaten und zur Geschichte ihrer Familie. Insbesondere die Gerätschaften dürften bei dem ein oder anderen Teilnehmer Erinnerungen an zurückliegende Zeiten geweckt haben. Deren Auslage sei, so Anna-Lina Pröbstl, auch nur deshalb noch möglich, weil man früher nichts einfach weggeworfen, sondern zur weiteren Verwendung repariert habe. Und so steht in der Ausstellung unter den vielen Gartengeräten auch die Lieblingsmaschine der jungen Frau, eine Erdtopfpresse. In dieser wurden mit der darin gefüllten Erde durch Druck kleine Erdpressballen für Gemüsesaaten oder Jungpflanzen hergestellt. Aber auch die zahlreichen illustrierten Schautafeln vermögen es, den Besuchern die seit 1735 währende Geschichte der ältesten Privatgärtnerei Bayerns näherzubringen.

Nach dem Anfang im Museum hatte Anna-Lina Pröbstl die Teilnehmer noch zu einem Spaziergang von den Anfängen bis zur Gegenwart der Gärtnerei eingeladen. Und so flanierte man an diesem herrlichen Herbstsonntag gemeinsam in die Bauerngasse zu der Stelle, von der aus der bis ins Jahr 1928 genutzte alte Gärtnerei-Standort noch einsehbar ist. In dem dortigen Haus lebten mit Georg Pröbstl und seinem Sohn Franz auch zwei langjährige Bürgermeister der Stadt. Ersterer hatte das Amt von 1842 bis 1854 inne, sein Sohn von 1876 bis 1899.

Danach ging es durchs Münztor weiter in die Augsburger Straße, in die Georg Pröbstl seinerzeit in sechster Generation die Gärtnerei verlegt hatte. Dort bestand die Gelegenheit, neben den Gewächshäusern auch den 1994 angebauten Laden zu besichtigen. Als die knapp zweistündige Führung gegen 15 Uhr zu Ende ging, hatten viele Mitglieder des Historischen Vereins allerlei Neues zur Geschichte der Gärtnerei Pröbstl sowie über Schongau selbst erfahren können. Zum Abschluss gab es als Dank für Anna-Lina Pröbstl aus den Händen der 1. Vorsitzenden des Historischen Vereins Heide-Maria Krauthauf noch ein Geschenk und von der Beschenkten für alle Teilnehmer ein paar Tomaten. Heide-Maria Krauthauf zeigte sich auch von dem in der Ausstellung ausliegenden Flyer sehr angetan, in dem sich ein Beitrag zur Hausgeschichte von Franz Grundner und Harald Scharrer befindet, Anna-Lina Pröbstl selbst und Luitpold Sedlmeier über die Firmengeschichte schreiben.

Führten interessierte Mitglieder des Historischen Vereins durch die Ausstellung „285 Jahre Gärtnerei Pröbstl“: Anna-Lina Pröbstl (2. von links) gemeinsam mit Vater Rupert (2. von rechts) und Mutter Iris (rechts) sowie Luitpold Sedlmeier (links).
Anna-Lina Pröbstl bei der Erläuterung der Erdtopfpresse, ihrer Lieblingsmaschine unter den im Museum ausgestellten Gartengeräten.

© Text und Bild: Manfred Ellenberger

1. März 2020: Regensburg mit neuem Museum und Karmelitenkloster St. Josef

Am 1. März war das erst im Juni des vergangenen Jahrs neu eröffnete Museum „Haus der bayerischen Geschichte“ in Regensburg das Ziel einer Gruppe unseres Vereins. Gleich im Foyer trafen wir zufällig auf PD Dr. Christof Paulus, der, maßgeblich an der wissenschaftlichen Konzeption der Ausstellung beteiligt, uns in liebenswürdiger Weise eine kurze Einführung in das Haus und seine erste Sonderausstellung bot.

Zunächst besichtigten wir, in zwei Gruppen von Dr. Rosa Micus und Martin Reich geführt, „Hundert Schätze aus tausend Jahren“, die Bayerischen Landesausstellung 2019/2020, und zwar knapp vor deren Ende am 8. März. Zu sehen waren historisch wie künstlerisch besonders aussagekräftige bzw. herausragende Stücke, die den zeitlichen Bogen vom Frühmittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts umspannten. Danach ging es die Rolltreppe hinauf und hinein in die Dauerausstellung des Museums. Hier gewannen wir, von unseren Führern erläutert, eine Übersicht, wie sich Bayern seit 1800 entwickelte, was die Zeit charakterisierte bzw. was für Bayern typisch war und noch ist. Dabei holten wir uns natürlich Appetit darauf, ein zweites Mal hierherzukommen.

Zunächst aber war der leibliche Appetit stärker und ein Großteil der Gruppe kehrte ins modern-gemütliche „Wirtshaus im Museum“ ein. Wer Lust hatte, schaute auch noch in das vom Foyer aus zugängliche 360-Grad-Panorama hinein, wo Christoph Süß in humorvoller Weise wichtige Stationen bayerischer Geschichte thematisierte.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, aber mit dem Angebot, das Kloster der Unbeschuhten Karmeliten auf dem Alten Getreidemarkt zu besuchen, und damit ein Kloster wie das unsere in Schongau, aber noch bestehend! Dort erwartete die über 20 Interessenten der Klosterhistoriker Pater Robert Schmidbauer. Er gab einen Überblick über die Ordens- und Klostergeschichte, erklärte uns die Altäre in der Kirche. Zuletzt, nach dem Gang in die Krypta, verkaufte er uns mehrere Fläschchen Karmelitengeist, ein Elixier, das immer noch nach dem nun 300 Jahre alten Geheimrezept hergestellt wird.

Mit dem Busunternehmen Werner Sprenzel sicher hin- und zurückgeführt verbrachte die Gruppe einen erlebnisreichen Tag, der hoffentlich auch Appetit machte auf künftige Unternehmungen mit dem Historischen Verein. 

Heide-Maria Krauthauf

Das 2019 neueröffnete „Haus der bayerischen Geschichte“
Im Foyer unter dem über 4 Meter großen „sprechenden Löwen“
In der Karmelitenkirche St. Josef

20. Januar 2020: Förderschule Altenstadt, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Leben in historischen Mauern. Seminararbeiten des Welfen-Gymnasiums Schongau

Ein alljährlicher Glanzpunkt im Vereinsjahr des Historischen Vereins ist die Vorstellung der Seminararbeiten der Abiturienten des Welfen-Gymnasiums. Betreut von ihren Lehrern haben diese in Gruppen ihre praktischen P-Arbeiten und als Einzelkämpfer ihre wissenschaftlichen W-Arbeiten erstellt.

Den Anfang machten sechs Vertreter des P-Seminars von Frau Angela Wagner, die sich mit der „Schönachschule“, dem sonderpädagogischen Förderzentrum in Altenstadt, beschäftigt und ein Infoheft für die Schule gestaltet hatten. Dabei hatten sich die Schüler auch mit der ab 1800 zunehmenden Einsicht einer nötigen „besonderen“ Förderung von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung befasst.

Danach stellten fünf Abiturientinnen des Seminars von Wilfried Funke ihre W-Arbeiten zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor. Drei beschäftigten sich mit der Weißen Rose. „Hitler und sein System müssen fallen, damit Deutschland weiterlebt“, Franziska Bertl zitierte so Christoph Probst. Als Einziger der Widerstandsbewegung kam er aus Bayern und ließ eine Familie mit drei Kindern zurück. Ein Puzzleteil des Schicksals, nannte es Franziska Bertl, nämlich das Konzept eines Flugblatts in der Manteltasche von Hans Scholl, ließ ihn auffliegen. Aber durch die Taufe vor der Hinrichtung gestärkt, starb er am 22. Februar 1943 ohne Hassgefühle.

Am selben Tag starb auch Sophie Scholl. Sophia Sinn zitierte deren Haltung mit „Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden“. Sophie wuchs in Württemberg auf, lernte ab 1942 in München die Mitglieder der Weißen Rose um ihren Bruder Hans und Professor Kurt Huber kennen. Am 18. Februar wurde sie beim Abwurf der Flugblätter in der Universität entdeckt. Ihre gefasste Haltung bis zur Hinrichtung habe sie aus ihrem Glauben und aus ihrer Nächstenliebe geschöpft, so Sophia Sinn.

In der dritten Arbeit zur Weißen Rose zeichnete Annika Nägele den Lebensweg von Alexander Schmorell nach. Als Kind einer begüterten deutsch-russischen Familie war er in Orenburg, dann in München zweisprachig aufgewachsen. Mit Hans Scholl hatte er die ersten fünf Flugblätter entworfen. Nach der Verhaftung der Geschwister Scholl wurde auch er steckbrieflich gesucht und am 13. Juli zusammen mit Professor Huber hingerichtet. Seine Ehrlichkeit, sein Bekenntnis zum Glauben, so Annika Nägele, würdigte die russisch-orthodoxe Kirche durch seine Heiligsprechung.

Eine weitere Referentin, Lisa Mattern, hatte sich mit den Edelweißpiraten beschäftigt. Diese Gruppierung bekämpfte die Politik der Nationalsozialisten, aber nicht nur mit legalen Mitteln. Die Zentren der Edelweißpiraten lagen um Düsseldorf und Köln. Als Beispiel erwähnte Lisa Mattern Barthel Schink aus der Köln-Ehrenfelder Gruppe, der auch Diebstähle beging, um zu helfen. 1944 wurde er als Sechszehnjähriger mit anderen öffentlich gehängt. Wegen der Gesetzesverletzungen würden er und andere bis heute nicht als Widerstandskämpfer anerkannt, so die Schülerin.

Zuletzt beschrieb Amelie Wirth den Lebenslauf von Georg Elser und sein misslungenes Attentat auf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller. Der 1905 bei Heidenheim geborene Elser wollte einen zweiten Weltkrieg verhindern. Die Schülerin schilderte, wie er sich im Bürgerbräukeller einschließen ließ, um den Pfeiler für die Bombe auszuhöhlen. An dem Abend musste Hitler aber wegen Nebels den Zug nehmen, hielt deshalb nur eine kurze Rede, war bei der Explosion längst weg. Amelie Wirth verwies auf die Tragik für Elser, der sinnloses Sterben verhindern wollte, nun schuld war am Tod von acht Unbeteiligten. Elser wurde gefasst und am 9. April 1945 in Dachau hingerichtet.

Wegen der fortgeschrittenen Zeit beschränkten sich die Teilnehmer des P-Kurses „Leben in historischen Gebäuden“ mit ihrem Lehrer Alexander Mikutta darauf, ihre Objekte, sieben, privat genutzte Gebäude in der Region, nur kurz anzusprechen. Die interessanten Einzelheiten ihrer Recherche kann man in ihrer Broschüre nachlesen. Zu bestellen unter historische-haeuser@gmx.de.

Die Referenten der Seminararbeiten mit ihren Lehrern Angela Wagner und Alexander Mikutta sowie Heide Krauthauf vom Historischen Verein.

28. September 2019: Versteckte Kostbarkeiten in Böbing

Nachdem der Historische Verein im Jahr 2015 mit Professor Hans Pörnbacher die Kirchen und Kapellen von Rottenbuch erkundet hatte, waren im vergangenen Jahr drei Kapellen in Böbing Ziel eines Nachmittagsausflugs gewesen. Nun machte sich der Verein, von Frau Katharina Benedikt aus Vorderkirnberg bestens vorbereitet, erneut auf den Weg nach Böbing.

Die erste Station war die Kapelle der Hl. Familie im Böbinger Ortsteil Wimpes. Der Besitzer, Herr Leonhard Schweiger, führte die Gruppe voll Stolz in den achteckigen Zentralbau mit dem Kappengewölbe, der wohl einem Gelübde zufolge 1915 errichtet wurde. Der Altar aus dem späten 18. Jahrhundert mit Gottvater im Auszug und den seitlichen Figuren Sebastian und Rochus birgt als zentrales Altarbild das Ölgemälde mit der Flucht aus Ägypten, eine Kopie des niederländischen Meisters Anthonis van Dyck (Alte Pinakothek München). Dieses im guten Zustand zu erhalten, ist die große Sorge von Herrn Schweiger. Erst vor einigen Jahren waren die Wände mit einer einfühlsamen Rosenkranzmalerei, ausgeführt von seiner verstorbenen Ehefrau, dekoriert worden.

Danach fuhren die Exkursionsteilnehmer in den Ortsteil Pischlach. Der schlichte Bau der Kapelle St. Ignatius besitzt eine überraschend qualitätvolle Ausstattung aus Klosterzeiten mit einem anmutigen Altaraufsatz, möglicher Weise ursprünglich ein hochbarockes Altarmodell. Aber in der Kapelle tut sich auch aktuell etwas. Frau Maria Mayr wies auf die Halbfigur des hl. Antonius an der rechten Seitenwand hin. Auf Anraten eines Kenners aus Wildsteig war der Heilige mit einer Wolke und einer Lilie ergänzt worden, was ihm einen edlen Ausdruck verleiht. Und erst am 24. Juli war die neue Ignatiusfigur gesegnet worden, so dass die Kapelle nun auch ihren Namenpatron beherbergt. Frau Mayr und Frau Walburga Schweiger von der Kapellengemeinschaft betonten, wie wichtig der Erhalt der Kapelle für künftige Generationen sei. Dafür hätten sie seit einiger Zeit das Mittel der Geburtstagsspenden entdeckt.

Zuletzt besuchten die Ausflügler den Pestfriedhof, inmitten Weidewiesen hinter einer Baumreihe liegend, die eine alte Flurgrenze markiert. Vor vierzig Jahren war die alte Steinmauer abgetragen und unter Verwendung des originalen Materials neu gebaut worden. Im Jahr 1983 hatte der Böbinger Trachtenverein das Rochusbild im Bildstock an der Stirnseite des Friedhofs beauftragt. All das erfahren die Teilnehmer aus Aufzeichnungen von Herrn Peter Bertl, aus denen Frau Benedikt vorliest.

Der Pestfriedhof wurde nach der Pestepidemie 1634 für die über 150 Opfer in südwestlicher Richtung weit weg vom Ort Böbing angelegt. Mit dem Bildstock und den Grabkreuzen ab der Mitte des 17. Jahrhunderts gehört er zu Baudenkmälern von Böbing.

Bürgermeister Peter Erhard hatte die Gruppe in Pischlach begrüßt und ihr den Weg zum ehemaligen Pestfriedhof gewiesen. Als Kontrastaktion zum alten Friedhof, auf dem nicht nur Pestopfer, sondern auch Anders-, Ungläubige und Straftäter beerdigt wurden, führte Herr Erhard die Gruppe dann noch zum Gemeindefriedhof. Da erläuterte der Bürgermeister das Konzept des neuen Urnengrabfelds. In zwei um eine Mooreiche gereihten Ringen kann jeder einen passenden freien Platz für die verrottbare Urne aussuchen. Solange der Platz bezahlt wird, erinnert auch ein kleines Schild auf einem Steinblock an den Verstorbenen.

Den Nachmittag beendete die Gruppe bei Kaffee und hausgemachten Kuchen im Rottenbucher Café am Tor.

24. Juli 2019: Präsentation „Die geretteten Kunstwerke von Cobi Reiser“

Am 5. Juli war das neue Schulgebäude der Staufer-Grundschule in Schongau eingeweiht worden. Nun am 24. Juli folgte die Präsentation der aus der alten Schule „geretteten Kunstwerke“ des Münchner Künstlers Benjamin Jakob, genannt Cobi Reiser (1902–1992).

Veranstalter war der Historische Verein, in Zusammenarbeit mit der Stadt Schongau, die für Ausbau und Neugestaltung der acht Wandmalereien mit Tierfamilien verantwortlich zeichnete. Die Neugestaltung des monumentalen Wandbilds mit Uhr lag ganz in der Hand und in der Verantwortung des Vereins.

An diesem für den Verein darum sehr bemerkenswerten Tag waren mehr als 80 Gäste in die Aula der neuen Schule gekommen und feierten die gelungene Aktion – eine wahre Erfolgsgeschichte. Immerhin waren für Ausbau und Wiederaufstellung als Stele etwa 25.000 € an Spenden und 43.500 € an Förderungen generiert worden. Die Stadt Schongau hatte dem Verein 30.000 € zur Verfügung gestellt, ferner das Podest für die Zwischenlagerung bezahlt.

Die Vorsitzende Heide-Maria Krauthauf freute sich zu diesem Fest auch viele Ehrengäste begrüßen zu dürfen, so das Ehepaar Irmgard Schreiber-Buhl und Ernst Buhl sowie drei der Schüler, die mit Frau Schreiber-Buhl die Rettung als schulische Aktion in Gang gesetzt hatten. Ferner waren etliche Spender gekommen, darunter einige, die die Rettung ganz maßgeblich ermöglicht hatten. Als Redner traten von offizieller Seite Falk Sluyterman van Langeweyde, Erster Bürgermeister der Stadt Schongau, und die Rektorin der Staufer-Grundschule, Ursula Heitmeier, auf. Den für die Rettung so wichtigen Beitrag der Edith-Haberland- Wagner Stiftung, Augustinerbräu, die 25.000 € zugeschossen hatte, würdigte Kabarettist Helmut Schleich, aus Schongau gebürtig, der die Stiftung für das Schongauer Projekt hatte begeistern können. 15.000 € hatte die Kulturstiftung Oberbayern zum Erhalt des Kunstwerks beigetragen. Für diese sprach, in Vertretung von Bezirkstagspräsident Josef Mederer, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, Bezirkstags-Vizepräsident und Bürgermeister der Marktgemeinde Peiting, Michael Asam, ein Grußwort. Gekommen war auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Michael Zaigler.

Nach einer Powerpoint-Präsentation, in der die Vorsitzende des Vereins Heide-Maria Krauthauf den Ablauf der „Rettungsaktion“ Revue passieren ließ und dabei auch auf die großartige ingenieurmäßige Leistung verwies, nahmen die Anwesenden die neu gestalteten Kunstwerke in Augenschein. Stadtbaumeister Sebastian Dietrich stellte dabei die acht Tierfamilienbilder im Wandelgang der Schule vor und Restaurator Thomas Hacklberger erläuterte die Restaurierungsmaßnahmen an der Stele, die nun am Treffpunkt der beiden Eingangswege in die Schule aufgestellt ist. Zuletzt enthüllten die beiden „Helden der Aktion“, der Inhaber des Betonschneideunternehmens Josef Feiler, Schongau, und der Chef des Altenstädter Bauunternehmens Haberstock, Herr Helmut Haberstock, die in die Betonwange der Stele eingelassene Spender- und Förderertafel.

Danach, im gemütlichen Ausklang, zapfte Helmut Schleich das 50-Liter-Fass mit Augustinerbier an und bei Brötchen und Getränken kam manch angeregtes Gespräch und manch nette Begegnung zustande, so zum Beispiel mit dem Künstler Helmut Kästl, für den diese Veranstaltung nach langen Jahren eine Art „Heimkommen“ war.

18. Mai 2019: Exkursion "Kelheim mit seiner langen Geschichte"

Kelheim, das verbindet man mit Herzog Ludwig dem Kelheimer, den frühen Wittelsbachern, der Befreiungshalle, man weiß vom nahen Kloster Weltenburg. All das streifte die Gruppe des Historischen Vereins Schongau – Stadt und Land aber quasi nur im Vorbeigehen. Die Exkursionsteilnehmer waren gekommen, um die lange Siedlungsgeschichte Kelheims und seiner Umgebung genauer zu betrachten. Fachlich geführt wurden sie von Dr. Walter Irlinger, am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege der oberste Verantwortliche für Denkmalerfassung und Denkmalforschung.

Als erste Station der Besichtigung wählte der Archäologe das alte Hafenbecken des Ludwig-Donau-Main Kanals mit der noch intakten Schleuse. „Der Alte Kanal“ erschloss ab 1846 den Wasserweg zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Als die Gruppe dann am Nachmittag den modernen Rhein-Main-Donau-Kanal mit dem dortigen Schleusensystem überquerte, wurde allen aber die enorme technische Entwicklung seit den Tagen König Ludwigs I. augenscheinlich.

Beim Bau des „Neuen Kanals“ durch das Altmühltal waren viele Grabungen nötig. Die Funde kamen in das Archäologische Museum der Stadt Kelheim im spätmittelalterlichen Zehntspeicher. Durch die dortige archäologische Abteilung, der zweiten Station des Tages, führten Museumsleiter Dr. Sorcan und Dr. Irlinger. Die Exkursionsteilnehmer gewannen in dieser Zeitreise von der Steinzeit bis zur Römerzeit einen detaillierten Überblick über die Siedlungsentwicklung der Region mit zum Teil erstaunlichen kulturellen Leistungen.

Als Haupt-Programmpunkt folgte am Nachmittag die Erkundung von Alkimoennis, der zweitgrößten keltischen Stadt Süddeutschlands auf dem Michelsberg, wo heute die Befreiungshalle steht. Die ehemals rund 10 km lange Befestigung des Oppidums aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., eine etwa 6 Meter hohe Pfostenschlitzmauer mit massiven Eichenstämmen zwischen den Wänden aus Trockenmauerwerk, diente nicht nur der Verteidigung, sondern wohl auch der Repräsentation von Macht. Ein Mauerstück mit einem sogenannten Zangentor, nach Grabungsresten rekonstruiert, vermittelte der Gruppe den Eindruck des ursprünglichen Aussehens.

Anders als Manching liegt das Oppidum Alkimoennis auf dem Michelsberg und Hirschberg zum Großteil im Wald. Die Gruppe erwanderte hier, angeleitet von Dr. Irlinger, die heute noch deutlich sichtbaren Wälle und Gräben der Stadtbefestigung. Im westlichen, nicht besiedelten Teil des Oppidums zeigte Walter Irlinger den Exkursionsteilnehmern eigenartige Bodenvertiefungen. Es handelte sich um Schürfgruben, aus denen in mehreren Zeitabschnitten sogenannte Bohnerze gewonnen wurden. Geologe Dr. Müller verwies dazu auf die mineralogische Entstehung und die leichte Abbaubarkeit dieser Art von Eisenerz.

Zum Abschluss des Tages ging es zum zirka 15 km südlich von Kelheim liegenden römischen Kastell Abusina, heute Eining. Dieses in den letzten Jahren zu einem frei zugänglichen Archäologischen Park gestaltete Kastell wurde 80 n. Chr. zur Sicherung der Donaulinie als Grenze des römischen Reiches gebaut. Hier endet nämlich der Obergermanisch-Rätische Limes und geht in den durch die Donau gebildeten „nassen Limes“ über. Das Kastell wurde mehrfach umgebaut und hielt sich als spätantikes Kleinkastell bis zum Einfall der Alamannen um die Mitte des fünften Jahrhunderts.

Von Dr. Walter Irlinger mit einem ausgefüllten Tag reich beschenkt sowie mit vielen neuen Erkenntnissen, mit Wissen um die kulturelle, technische und handwerkliche Entwicklung über die Epochen hinweg, Informationen über die Denkmäler im Wald bis zu dem Ensemble Altstadt Kelheim, kehrte die Gruppe spätabends nach Schongau zurück.

Abb.: Archäologe Dr. Walter Irlinger erläutert der Gruppe des Historischen Vereins am Fuß des Michelsbergs bei Kelheim das rekonstruierte Zangentor der keltischen Stadt Alkimoennis