vereinsleben

3. bis 6. November 2013

Historischer Verein auf den Spuren der Wittelsbacher in der Pfalz
Pressebericht der Exkursion für die Schongauer Nachrichten


Im Jahr 1214 wurde der bayerische Herzog Ludwig mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt, bis zum Ende des ersten Weltkriegs war die pfälzische Geschichte zugleich eine wittelsbachische Geschichte. Eine ganze Reihe von Ausstellungen in den ehemals pfälzischen Territorien, nun auf die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen verteilt, erinnern derzeit an die 800 Jahre „Wittelsbacher am Rhein" und waren der Anlass für die Gruppe des Historischen Vereins Schongau, den Spuren der Wittelsbacher in der Pfalz nachzugehen.
In Mannheim, wo die Wittelsbacher im 18. Jahrhundert residierten, besuchten die Schongauer im Zeughaus und im kurfürstlichen Schloss die beiden Ausstellungen, in denen die Geschichte der „Kurpfalz" bis zu ihrem gewaltsamen Ende durch die napoleonischen Kriege gezeigt wird.
Mit auf dem Programm stand auch ein Blick in die berühmte Gartenanlage des Schwetzinger Schlosses, wohin Karl Theodor mit seinem Hofstaat alljährlich von Mannheim hinauszog, um die Sommermonate zu verbringen.
Um die Geschichte der pfälzischen Wittelsbacher noch besser zu verstehen, durchstieg die Gruppe viele Wendeltreppen im Heidelberger Schloss, der wittelsbachischen Residenz vor Mannheim. Hier erfuhren die Schongauer von glanzvollen Epochen, aber auch von Kriegen und Machtkämpfen, die große Teile des Schlosses zur Ruine werden ließen.
Nach dem endgültigen Sieg über Napoleon kamen die linksrheinischen Gebiete, ab 1838 als „Pfalz" bezeichnet, zum jungen Königreich Bayern. Bei Edenkoben ließ König Ludwig I., der die Kinderjahre noch in Mannheim und Schwetzingen verbracht hatte, durch seine Architekten Gärtner und Klenze einen Sommersitz bauen. Die Gruppe besuchte diese Villa „Ludwigshöhe" über den Weinbergen, wo Ludwig ab 1852 jedes zweite Jahr seinen Geburtstag feierte. Auch der Dom von Speyer ist eng mit der wittelsbachischen Geschichte des 19. Jahrhunderts verbunden. Durch die Franzosenkriege schwer beschädigt, wurde er auf ein Gutachten von Klenze hin saniert und 1822 neu geweiht. König Ludwig beauftragte später den Oberstdorfer Maler Schraudolph mit den monumentalen Freskenzyklen und errichtete die Westtürme und das Westwerk in neuromanischem Stil. Damit wollte der König dem mittelalterlichen Bauwerk seinen Stempel aufdrücken.
Auf der Rückfahrt besichtigten die Schongauer noch das stattliche Schloss Erbach im Odenwald. Seit dem 13. Jahrhundert hatten die Erbacher das wittelsbachische Hofamt der Schenken inne. Heute staunen die Besucher über die reich ausgestatteten historischen Räume mit der Antikensammlung, die deutschlandweit zu den bedeutendsten im privaten Bereich zählt. Über Amorbach ging es für die Gruppe dann nach vier ausgefüllten Tagen wieder nach Hause.

Heide-Maria Krauthauf


Foto: Die Gruppe des Historischen Vereins Schongau auf der Freitreppe vor dem Schloss Erbach im Odenwald. - Aufnahme: Helmut Bernhardt.