Zeitreise durch 285 Jahre Gärtnerei-Geschichte

Eigens an die Mitglieder des Historischen Vereins war die Einladung ergangen, am 4. Oktober an einer Führung durch die noch bis zu 1. November laufende Ausstellung „Gärtnerei Pröbstl – 285 Jahre“ im Stadtmuseum Schongau und an einem Spaziergang zu deren Geschichte teilzunehmen. Die 29-jährige Kuratorin der Ausstellung Anna-Lina Pröbstl war hierzu gemeinsam mit ihren Eltern Rupert und Iris Pröbstl, die gegenwärtig die Gärtnerei in der achten Generation führen, sowie mit Luitpold Sedlmeier gekommen. Nach einer allgemeinen Einführung führte sie Corona bedingt mit ihrer Mutter die rund 20 Teilnehmer in zwei Gruppen durch die Ausstellung. Dabei stellte sie sich auch den Fragen zu den ausgestellten Exponaten und zur Geschichte ihrer Familie. Insbesondere die Gerätschaften dürften bei dem ein oder anderen Teilnehmer Erinnerungen an zurückliegende Zeiten geweckt haben. Deren Auslage sei, so Anna-Lina Pröbstl, auch nur deshalb noch möglich, weil man früher nichts einfach weggeworfen, sondern zur weiteren Verwendung repariert habe. Und so steht in der Ausstellung unter den vielen Gartengeräten auch die Lieblingsmaschine der jungen Frau, eine Erdtopfpresse. In dieser wurden mit der darin gefüllten Erde durch Druck kleine Erdpressballen für Gemüsesaaten oder Jungpflanzen hergestellt. Aber auch die zahlreichen illustrierten Schautafeln vermögen es, den Besuchern die seit 1735 währende Geschichte der ältesten Privatgärtnerei Bayerns näherzubringen.

Nach dem Anfang im Museum hatte Anna-Lina Pröbstl die Teilnehmer noch zu einem Spaziergang von den Anfängen bis zur Gegenwart der Gärtnerei eingeladen. Und so flanierte man an diesem herrlichen Herbstsonntag gemeinsam in die Bauerngasse zu der Stelle, von der aus der bis ins Jahr 1928 genutzte alte Gärtnerei-Standort noch einsehbar ist. In dem dortigen Haus lebten mit Georg Pröbstl und seinem Sohn Franz auch zwei langjährige Bürgermeister der Stadt. Ersterer hatte das Amt von 1842 bis 1854 inne, sein Sohn von 1876 bis 1899.

Danach ging es durchs Münztor weiter in die Augsburger Straße, in die Georg Pröbstl seinerzeit in sechster Generation die Gärtnerei verlegt hatte. Dort bestand die Gelegenheit, neben den Gewächshäusern auch den 1994 angebauten Laden zu besichtigen. Als die knapp zweistündige Führung gegen 15 Uhr zu Ende ging, hatten viele Mitglieder des Historischen Vereins allerlei Neues zur Geschichte der Gärtnerei Pröbstl sowie über Schongau selbst erfahren können. Zum Abschluss gab es als Dank für Anna-Lina Pröbstl aus den Händen der 1. Vorsitzenden des Historischen Vereins Heide-Maria Krauthauf noch ein Geschenk und von der Beschenkten für alle Teilnehmer ein paar Tomaten. Heide-Maria Krauthauf zeigte sich auch von dem in der Ausstellung ausliegenden Flyer sehr angetan, in dem sich ein Beitrag zur Hausgeschichte von Franz Grundner und Harald Scharrer befindet, Anna-Lina Pröbstl selbst und Luitpold Sedlmeier über die Firmengeschichte schreiben.

 

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Eigens zu einer Führung von interessierten Mitgliedern des Historischen Vereins durch die noch bis zum 1. November laufende Ausstellung „285 Jahre Gärtnerei Pröbstl“ war deren 29jährige Kuratorin Anna-Lina Pröbstl (2. von links) gemeinsam mit Vater Rupert (2. von rechts) und Mutter Iris (rechts) sowie Luitpold Sedlmeier (links) ins Stadtmuseum Schongau gekomme

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Anna-Lina Pröbstl bei der Erläuterung der Erdtopfpresse, ihrer Lieblingsmaschine unter den im Museum ausgestellten Gartengeräten.

© Text und Bild: Manfred Ellenberger

 

1. März 2020
Regensburg mit neuem Museum und Karmelitenkloster St. Josef

Am 1. März war das erst im Juni des vergangenen Jahrs neu eröffnete Museum „Haus der bayerischen Geschichte“ in Regensburg das Ziel einer Gruppe unseres Vereins. Gleich im Foyer trafen wir zufällig auf PD Dr. Christof Paulus, der, maßgeblich an der wissenschaftlichen Konzeption der Ausstellung beteiligt, uns in liebenswürdiger Weise eine kurze Einführung in das Haus und seine erste Sonderausstellung bot.

Zunächst besichtigten wir, in zwei Gruppen von Dr. Rosa Micus und Martin Reich geführt, „Hundert Schätze aus tausend Jahren“, die Bayerischen Landesausstellung 2019/2020, und zwar knapp vor deren Ende am 8. März. Zu sehen waren historisch wie künstlerisch besonders aussagekräftige bzw. herausragende Stücke, die den zeitlichen Bogen vom Frühmittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts umspannten. Danach ging es die Rolltreppe hinauf und hinein in die Dauerausstellung des Museums. Hier gewannen wir, von unseren Führern erläutert, eine Übersicht, wie sich Bayern seit 1800 entwickelte, was die Zeit charakterisierte bzw. was für Bayern typisch war und noch ist. Dabei holten wir uns natürlich Appetit darauf, ein zweites Mal hierherzukommen.

Zunächst aber war der leibliche Appetit stärker und ein Großteil der Gruppe kehrte ins modern-gemütliche „Wirtshaus im Museum“ ein. Wer Lust hatte, schaute auch noch in das vom Foyer aus zugängliche 360-Grad-Panorama hinein, wo Christoph Süß in humorvoller Weise wichtige Stationen bayerischer Geschichte thematisierte.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, aber mit dem Angebot, das Kloster der Unbeschuhten Karmeliten auf dem Alten Getreidemarkt zu besuchen, und damit ein Kloster wie das unsere in Schongau, aber noch bestehend! Dort erwartete die über 20 Interessenten der Klosterhistoriker Pater Robert Schmidbauer. Er gab einen Überblick über die Ordens- und Klostergeschichte, erklärte uns die Altäre in der Kirche. Zuletzt, nach dem Gang in die Krypta, verkaufte er uns mehrere Fläschchen Karmelitengeist, ein Elixier, das immer noch nach dem nun 300 Jahre alten Geheimrezept hergestellt wird.

Mit dem Busunternehmen Werner Sprenzel sicher hin- und zurückgeführt verbrachte die Gruppe einen erlebnisreichen Tag, der hoffentlich auch Appetit machte auf künftige Unternehmungen mit dem Historischen Verein. 

Heide-Maria Krauthauf

 

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Das 2019 neueröffnete „Haus der bayerischen Geschichte“

 

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Im Foyer unter dem über 4 Meter großen „sprechenden Löwen“

 

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In der Karmelitenkirche St. Josef

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20. Januar 2020
Förderschule Altenstadt, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Leben in historischen Mauern. Seminararbeiten des Welfen-Gymnasiums Schongau

Ein alljährlicher Glanzpunkt im Vereinsjahr des Historischen Vereins ist die Vorstellung der Seminararbeiten der Abiturienten des Welfen-Gymnasiums. Betreut von ihren Lehrern haben diese in Gruppen ihre praktischen P-Arbeiten und als Einzelkämpfer ihre wissenschaftlichen W-Arbeiten erstellt.

Den Anfang machten sechs Vertreter des P-Seminars von Frau Angela Wagner, die sich mit der „Schönachschule“, dem sonderpädagogischen Förderzentrum in Altenstadt, beschäftigt und ein Infoheft für die Schule gestaltet hatten. Dabei hatten sich die Schüler auch mit der ab 1800 zunehmenden Einsicht einer nötigen „besonderen“ Förderung von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung befasst.

Danach stellten fünf Abiturientinnen des Seminars von Wilfried Funke ihre W-Arbeiten zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor. Drei beschäftigten sich mit der Weißen Rose. „Hitler und sein System müssen fallen, damit Deutschland weiterlebt“, Franziska Bertl zitierte so Christoph Probst. Als Einziger der Widerstandsbewegung kam er aus Bayern und ließ eine Familie mit drei Kindern zurück. Ein Puzzleteil des Schicksals, nannte es Franziska Bertl, nämlich das Konzept eines Flugblatts in der Manteltasche von Hans Scholl, ließ ihn auffliegen. Aber durch die Taufe vor der Hinrichtung gestärkt, starb er am 22. Februar 1943 ohne Hassgefühle.

Am selben Tag starb auch Sophie Scholl. Sophia Sinn zitierte deren Haltung mit „Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden“. Sophie wuchs in Württemberg auf, lernte ab 1942 in München die Mitglieder der Weißen Rose um ihren Bruder Hans und Professor Kurt Huber kennen. Am 18. Februar wurde sie beim Abwurf der Flugblätter in der Universität entdeckt. Ihre gefasste Haltung bis zur Hinrichtung habe sie aus ihrem Glauben und aus ihrer Nächstenliebe geschöpft, so Sophia Sinn.

In der dritten Arbeit zur Weißen Rose zeichnete Annika Nägele den Lebensweg von Alexander Schmorell nach. Als Kind einer begüterten deutsch-russischen Familie war er in Orenburg, dann in München zweisprachig aufgewachsen. Mit Hans Scholl hatte er die ersten fünf Flugblätter entworfen. Nach der Verhaftung der Geschwister Scholl wurde auch er steckbrieflich gesucht und am 13. Juli zusammen mit Professor Huber hingerichtet. Seine Ehrlichkeit, sein Bekenntnis zum Glauben, so Annika Nägele, würdigte die russisch-orthodoxe Kirche durch seine Heiligsprechung.

Eine weitere Referentin, Lisa Mattern, hatte sich mit den Edelweißpiraten beschäftigt. Diese Gruppierung bekämpfte die Politik der Nationalsozialisten, aber nicht nur mit legalen Mitteln. Die Zentren der Edelweißpiraten lagen um Düsseldorf und Köln. Als Beispiel erwähnte Lisa Mattern Barthel Schink aus der Köln-Ehrenfelder Gruppe, der auch Diebstähle beging, um zu helfen. 1944 wurde er als Sechszehnjähriger mit anderen öffentlich gehängt. Wegen der Gesetzesverletzungen würden er und andere bis heute nicht als Widerstandskämpfer anerkannt, so die Schülerin.

Zuletzt beschrieb Amelie Wirth den Lebenslauf von Georg Elser und sein misslungenes Attentat auf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller. Der 1905 bei Heidenheim geborene Elser wollte einen zweiten Weltkrieg verhindern. Die Schülerin schilderte, wie er sich im Bürgerbräukeller einschließen ließ, um den Pfeiler für die Bombe auszuhöhlen. An dem Abend musste Hitler aber wegen Nebels den Zug nehmen, hielt deshalb nur eine kurze Rede, war bei der Explosion längst weg. Amelie Wirth verwies auf die Tragik für Elser, der sinnloses Sterben verhindern wollte, nun schuld war am Tod von acht Unbeteiligten. Elser wurde gefasst und am 9. April 1945 in Dachau hingerichtet.

Wegen der fortgeschrittenen Zeit beschränkten sich die Teilnehmer des P-Kurses „Leben in historischen Gebäuden“ mit ihrem Lehrer Alexander Mikutta darauf, ihre Objekte, sieben, privat genutzte Gebäude in der Region, nur kurz anzusprechen. Die interessanten Einzelheiten ihrer Recherche kann man in ihrer Broschüre nachlesen. Zu bestellen unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;.

Vortragsabend WGS Seminare

Die Referenten der Seminararbeiten mit ihren Lehrern Angela Wagner und Alexander Mikutta sowie Heide Krauthauf vom Historischen Verein.

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28. September 2019
Versteckte Kostbarkeiten in Böbing

Nachdem der Historische Verein im Jahr 2015 mit Professor Hans Pörnbacher die Kirchen und Kapellen von Rottenbuch erkundet hatte, waren im vergangenen Jahr drei Kapellen in Böbing Ziel eines Nachmittagsausflugs gewesen. Nun machte sich der Verein, von Frau Katharina Benedikt aus Vorderkirnberg bestens vorbereitet, erneut auf den Weg nach Böbing.

Die erste Station war die Kapelle der Hl. Familie im Böbinger Ortsteil Wimpes. Der Besitzer, Herr Leonhard Schweiger, führte die Gruppe voll Stolz in den achteckigen Zentralbau mit dem Kappengewölbe, der wohl einem Gelübde zufolge 1915 errichtet wurde. Der Altar aus dem späten 18. Jahrhundert mit Gottvater im Auszug und den seitlichen Figuren Sebastian und Rochus birgt als zentrales Altarbild das Ölgemälde mit der Flucht aus Ägypten, eine Kopie des niederländischen Meisters Anthonis van Dyck (Alte Pinakothek München). Dieses im guten Zustand zu erhalten, ist die große Sorge von Herrn Schweiger. Erst vor einigen Jahren waren die Wände mit einer einfühlsamen Rosenkranzmalerei, ausgeführt von seiner verstorbenen Ehefrau, dekoriert worden.

Danach fuhren die Exkursionsteilnehmer in den Ortsteil Pischlach. Der schlichte Bau der Kapelle St. Ignatius besitzt eine überraschend qualitätvolle Ausstattung aus Klosterzeiten mit einem anmutigen Altaraufsatz, möglicher Weise ursprünglich ein hochbarockes Altarmodell. Aber in der Kapelle tut sich auch aktuell etwas. Frau Maria Mayr wies auf die Halbfigur des hl. Antonius an der rechten Seitenwand hin. Auf Anraten eines Kenners aus Wildsteig war der Heilige mit einer Wolke und einer Lilie ergänzt worden, was ihm einen edlen Ausdruck verleiht. Und erst am 24. Juli war die neue Ignatiusfigur gesegnet worden, so dass die Kapelle nun auch ihren Namenpatron beherbergt. Frau Mayr und Frau Walburga Schweiger von der Kapellengemeinschaft betonten, wie wichtig der Erhalt der Kapelle für künftige Generationen sei. Dafür hätten sie seit einiger Zeit das Mittel der Geburtstagsspenden entdeckt.

Zuletzt besuchten die Ausflügler den Pestfriedhof, inmitten Weidewiesen hinter einer Baumreihe liegend, die eine alte Flurgrenze markiert. Vor vierzig Jahren war die alte Steinmauer abgetragen und unter Verwendung des originalen Materials neu gebaut worden. Im Jahr 1983 hatte der Böbinger Trachtenverein das Rochusbild im Bildstock an der Stirnseite des Friedhofs beauftragt. All das erfahren die Teilnehmer aus Aufzeichnungen von Herrn Peter Bertl, aus denen Frau Benedikt vorliest.

Bürgermeister Peter Erhard hatte die Gruppe in Pischlach begrüßt und ihr den Weg zum ehemaligen Pestfriedhof gewiesen. Als Kontrastaktion zum alten Friedhof, auf dem nicht nur Pestopfer, sondern auch Anders-, Ungläubige und Straftäter beerdigt wurden, führte Herr Erhard die Gruppe dann noch zum Gemeindefriedhof. Da erläuterte der Bürgermeister das Konzept des neuen Urnengrabfelds. In zwei um eine Mooreiche gereihten Ringen kann jeder einen passenden freien Platz für die verrottbare Urne aussuchen. Solange der Platz bezahlt wird, erinnert auch ein kleines Schild auf einem Steinblock an den Verstorbenen.

Den Nachmittag beendete die Gruppe bei Kaffee und hausgemachten Kuchen im Rottenbucher Café am Tor.

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24. Juli 2019
Präsentation „Die geretteten Kunstwerke von Cobi Reiser“ Veranstaltung des Historischen Vereins am 24. Juli 2019

Am 5. Juli war das neue Schulgebäude der Staufer-Grundschule in Schongau eingeweiht worden. Nun am 24. Juli folgte die Präsentation der aus der alten Schule „geretteten Kunstwerke“ des Münchner Künstlers Benjamin Jakob, genannt Cobi Reiser (1902–1992).

Veranstalter war der Historische Verein, in Zusammenarbeit mit der Stadt Schongau, die für Ausbau und Neugestaltung der acht Wandmalereien mit Tierfamilien verantwortlich zeichnete. Die Neugestaltung des monumentalen Wandbilds mit Uhr lag ganz in der Hand und in der Verantwortung des Vereins.

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An diesem für den Verein darum sehr bemerkenswerten Tag waren mehr als 80 Gäste in die Aula der neuen Schule gekommen und feierten die gelungene Aktion – eine wahre Erfolgsgeschichte. Immerhin waren für Ausbau und Wiederaufstellung als Stele etwa 25.000 € an Spenden und 43.500 € an Förderungen generiert worden. Die Stadt Schongau hatte dem Verein 30.000 € zur Verfügung gestellt, ferner das Podest für die Zwischenlagerung bezahlt.

Die Vorsitzende Heide-Maria Krauthauf freute sich zu diesem Fest auch viele Ehrengäste begrüßen zu dürfen, so das Ehepaar Irmgard Schreiber-Buhl und Ernst Buhl sowie drei der Schüler, die mit Frau Schreiber-Buhl die Rettung als schulische Aktion in Gang gesetzt hatten. Ferner waren etliche Spender gekommen, darunter einige, die die Rettung ganz maßgeblich ermöglicht hatten. Als Redner traten von offizieller Seite Falk Sluyterman van Langeweyde, Erster Bürgermeister der Stadt Schongau, und die Rektorin der Staufer-Grundschule, Ursula Heitmeier, auf. Den für die Rettung so wichtigen Beitrag der Edith-Haberland- Wagner Stiftung, Augustinerbräu, die 25.000 € zugeschossen hatte, würdigte Kabarettist Helmut Schleich, aus Schongau gebürtig, der die Stiftung für das Schongauer Projekt hatte begeistern können. 15.000 € hatte die Kulturstiftung Oberbayern zum Erhalt des Kunstwerks beigetragen. Für diese sprach, in Vertretung von Bezirkstagspräsident Josef Mederer, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, Bezirkstags-Vizepräsident und Bürgermeister der Marktgemeinde Peiting, Michael Asam, ein Grußwort. Gekommen war auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Michael Zaigler.

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Nach einer Powerpoint-Präsentation, in der die Vorsitzende des Vereins Heide-Maria Krauthauf den Ablauf der „Rettungsaktion“ Revue passieren ließ und dabei auch auf die großartige ingenieurmäßige Leistung verwies, nahmen die Anwesenden die neu gestalteten Kunstwerke in Augenschein. Stadtbaumeister Sebastian Dietrich stellte dabei die acht Tierfamilienbilder im Wandelgang der Schule vor und Restaurator Thomas Hacklberger erläuterte die Restaurierungsmaßnahmen an der Stele, die nun am Treffpunkt der beiden Eingangswege in die Schule aufgestellt ist. Zuletzt enthüllten die beiden „Helden der Aktion“, der Inhaber des Betonschneideunternehmens Josef Feiler, Schongau, und der Chef des Altenstädter Bauunternehmens Haberstock, Herr Helmut Haberstock, die in die Betonwange der Stele eingelassene Spender- und Förderertafel.

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Danach, im gemütlichen Ausklang, zapfte Helmut Schleich das 50-Liter-Fass mit Augustinerbier an und bei Brötchen und Getränken kam manch angeregtes Gespräch und manch nette Begegnung zustande, so zum Beispiel mit dem Künstler Helmut Kästl, für den diese Veranstaltung nach langen Jahren eine Art „Heimkommen“ war.

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18. Mai 2019
Kelheim mit seiner langen Geschichte

Exkursion des Historischen Vereins


Kelheim, das verbindet man mit Herzog Ludwig dem Kelheimer, den frühen Wittelsbachern, der Befreiungshalle, man weiß vom nahen Kloster Weltenburg. All das streifte die Gruppe des Historischen Vereins Schongau – Stadt und Land aber quasi nur im Vorbeigehen. Die Exkursionsteilnehmer waren gekommen, um die lange Siedlungsgeschichte Kelheims und seiner Umgebung genauer zu betrachten. Fachlich geführt wurden sie von Dr. Walter Irlinger, am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege der oberste Verantwortliche für Denkmalerfassung und Denkmalforschung.

Als erste Station der Besichtigung wählte der Archäologe das alte Hafenbecken des Ludwig-Donau-Main Kanals mit der noch intakten Schleuse. „Der Alte Kanal“ erschloss ab 1846 den Wasserweg zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Als die Gruppe dann am Nachmittag den modernen Rhein-Main-Donau-Kanal mit dem dortigen Schleusensystem überquerte, wurde allen aber die enorme technische Entwicklung seit den Tagen König Ludwigs I. augenscheinlich.

Beim Bau des „Neuen Kanals“ durch das Altmühltal waren viele Grabungen nötig. Die Funde kamen in das Archäologische Museum der Stadt Kelheim im spätmittelalterlichen Zehntspeicher. Durch die dortige archäologische Abteilung, der zweiten Station des Tages, führten Museumsleiter Dr. Sorcan und Dr. Irlinger. Die Exkursionsteilnehmer gewannen in dieser Zeitreise von der Steinzeit bis zur Römerzeit einen detaillierten Überblick über die Siedlungsentwicklung der Region mit zum Teil erstaunlichen kulturellen Leistungen.

Als Haupt-Programmpunkt folgte am Nachmittag die Erkundung von Alkimoennis, der zweitgrößten keltischen Stadt Süddeutschlands auf dem Michelsberg, wo heute die Befreiungshalle steht. Die ehemals rund 10 km lange Befestigung des Oppidums aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., eine etwa 6 Meter hohe Pfostenschlitzmauer mit massiven Eichenstämmen zwischen den Wänden aus Trockenmauerwerk, diente nicht nur der Verteidigung, sondern wohl auch der Repräsentation von Macht. Ein Mauerstück mit einem sogenannten Zangentor, nach Grabungsresten rekonstruiert, vermittelte der Gruppe den Eindruck des ursprünglichen Aussehens.

Anders als Manching liegt das Oppidum Alkimoennis auf dem Michelsberg und Hirschberg zum Großteil im Wald. Die Gruppe erwanderte hier, angeleitet von Dr. Irlinger, die heute noch deutlich sichtbaren Wälle und Gräben der Stadtbefestigung. Im westlichen, nicht besiedelten Teil des Oppidums zeigte Walter Irlinger den Exkursionsteilnehmern eigenartige Bodenvertiefungen. Es handelte sich um Schürfgruben, aus denen in mehreren Zeitabschnitten sogenannte Bohnerze gewonnen wurden. Geologe Dr. Müller verwies dazu auf die mineralogische Entstehung und die leichte Abbaubarkeit dieser Art von Eisenerz.

Zum Abschluss des Tages ging es zum zirka 15 km südlich von Kelheim liegenden römischen Kastell Abusina, heute Eining. Dieses in den letzten Jahren zu einem frei zugänglichen Archäologischen Park gestaltete Kastell wurde 80 n. Chr. zur Sicherung der Donaulinie als Grenze des römischen Reiches gebaut. Hier endet nämlich der Obergermanisch-Rätische Limes und geht in den durch die Donau gebildeten „nassen Limes“ über. Das Kastell wurde mehrfach umgebaut und hielt sich als spätantikes Kleinkastell bis zum Einfall der Alamannen um die Mitte des fünften Jahrhunderts.

Von Dr. Walter Irlinger mit einem ausgefüllten Tag reich beschenkt sowie mit vielen neuen Erkenntnissen, mit Wissen um die kulturelle, technische und handwerkliche Entwicklung über die Epochen hinweg, Informationen über die Denkmäler im Wald bis zu dem Ensemble Altstadt Kelheim, kehrte die Gruppe spätabends nach Schongau zurück.

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Abb.: Archäologe Dr. Walter Irlinger erläutert der Gruppe des Historischen Vereins am Fuß des Michelsbergs bei Kelheim das rekonstruierte Zangentor der keltischen Stadt Alkimoennis.

 

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3. bis 6. November 2013

Historischer Verein auf den Spuren der
Wittelsbacher in der Pfalz

Pressebericht der Exkursion für die Schongauer Nachrichten

 

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Im Jahr 1214 wurde der bayerische Herzog Ludwig mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt, bis zum Ende des ersten Weltkriegs war die pfälzische Geschichte zugleich eine wittelsbachische Geschichte. Eine ganze Reihe von Ausstellungen in den ehemals pfälzischen Territorien, nun auf die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen verteilt, erinnern derzeit an die 800 Jahre „Wittelsbacher am Rhein" und waren der Anlass für die Gruppe des Historischen Vereins Schongau, den Spuren der Wittelsbacher in der Pfalz nachzugehen.
In Mannheim, wo die Wittelsbacher im 18. Jahrhundert residierten, besuchten die Schongauer im Zeughaus und im kurfürstlichen Schloss die beiden Ausstellungen, in denen die Geschichte der „Kurpfalz" bis zu ihrem gewaltsamen Ende durch die napoleonischen Kriege gezeigt wird.
Mit auf dem Programm stand auch ein Blick in die berühmte Gartenanlage des Schwetzinger Schlosses, wohin Karl Theodor mit seinem Hofstaat alljährlich von Mannheim hinauszog, um die Sommermonate zu verbringen.
Um die Geschichte der pfälzischen Wittelsbacher noch besser zu verstehen, durchstieg die Gruppe viele Wendeltreppen im Heidelberger Schloss, der wittelsbachischen Residenz vor Mannheim. Hier erfuhren die Schongauer von glanzvollen Epochen, aber auch von Kriegen und Machtkämpfen, die große Teile des Schlosses zur Ruine werden ließen.
Nach dem endgültigen Sieg über Napoleon kamen die linksrheinischen Gebiete, ab 1838 als „Pfalz" bezeichnet, zum jungen Königreich Bayern. Bei Edenkoben ließ König Ludwig I., der die Kinderjahre noch in Mannheim und Schwetzingen verbracht hatte, durch seine Architekten Gärtner und Klenze einen Sommersitz bauen. Die Gruppe besuchte diese Villa „Ludwigshöhe" über den Weinbergen, wo Ludwig ab 1852 jedes zweite Jahr seinen Geburtstag feierte. Auch der Dom von Speyer ist eng mit der wittelsbachischen Geschichte des 19. Jahrhunderts verbunden. Durch die Franzosenkriege schwer beschädigt, wurde er auf ein Gutachten von Klenze hin saniert und 1822 neu geweiht. König Ludwig beauftragte später den Oberstdorfer Maler Schraudolph mit den monumentalen Freskenzyklen und errichtete die Westtürme und das Westwerk in neuromanischem Stil. Damit wollte der König dem mittelalterlichen Bauwerk seinen Stempel aufdrücken.
Auf der Rückfahrt besichtigten die Schongauer noch das stattliche Schloss Erbach im Odenwald. Seit dem 13. Jahrhundert hatten die Erbacher das wittelsbachische Hofamt der Schenken inne. Heute staunen die Besucher über die reich ausgestatteten historischen Räume mit der Antikensammlung, die deutschlandweit zu den bedeutendsten im privaten Bereich zählt. Über Amorbach ging es für die Gruppe dann nach vier ausgefüllten Tagen wieder nach Hause.

Heide-Maria Krauthauf


Foto: Die Gruppe des Historischen Vereins Schongau auf der Freitreppe vor dem Schloss Erbach im Odenwald. - Aufnahme: Helmut Bernhardt.