Sonderausstellung
Wechselnde Ausstellungen im barrierefrei zugänglichen Sonderausstellungsbereich


Glaskasten
Kleine Ausstellungen auf der Galerie der ehem. Erasmuskirche

bis 15. Januar 2019

750 Jahre Stadt Schongau bei Wittelsbach und Bayern

Gezeigt werden im Original wertvolle Urkunden und Akten aus der Stadtgeschichte ab dem 14. Jahrhundert, die im Stadtarchiv liegen und höchst selten ans Tageslicht dürfen.

Der Hintergrund: Wie Schongau zu Bayern kam.
König Konrad, geboren am 25. März 1252 auf der Burg Wolfstein bei Landshut; gestorben durch Enthauptung am 29. Oktober 1268 in Neapel, war der letzte legitime männliche Erbe aus der Dynastie der Staufer. Er war unter anderem König von Sizilien. Beim frühen Tod seines Vaters war dieser Konradin, wie die Italiener ihn nannten, gerade einmal zwei Jahre alt. Seine Wittelsbacher Mutter Elisabeth hat ihn in Landshut geboren, und er wuchs am Hofe Herzog Ludwigs II. auf. Bereits mit 15 Jahren wollte er seinen staufischen Staat in Süditalien wieder erobern, geriet aber in eine Falle, welche ihm Papst Clemens IV. und der Franzose Karl v. Anjou stellten. Nach der verlorenen Schlacht bei Tagliacozzo wurde der sechzehnjährige König Konradin am 27. November 1268 in Neapel zusammen mit einigen Getreuen enthauptet. Zu seinen Lebzeiten war er mindestens dreimal in Schongau gewesen, und er vermachte in seinem Testament diese Stadt seinem Wittelsbachischen Onkel. Der Grund: Auf dem verhängnisvollen Zug nach Italien ist dem jugendlichen König bereits in Verona wieder das Geld ausgegangen. Gegen 1.500 Mark Silber, mit denen ihm sein Wittelsbacher Onkel aushalf, vermachte er diesem jetzt die Stadt Schongau und das Dorf Mering im Lechrain. „Mark“ ist der germanische Ausdruck für die in Europa übliche Gewichtswährung „Pfund“ (engl. Pound, frz. Livre, ital. Lire usw. von lat. Librum, Pfund). Die in der Urkunde genannte Kölner Mark als Gewichtswährung wog ein knappes halbes Pfund, 1.500 Mark waren dann nicht ganz 375 Kilogramm, also etwa ein gutes Drittel Tonne Silber. Rein am Silberpreis gemessen, wäre das heute ein Wert von ungefähr 180.000 Euro. Eine seriöse Umrechnung ist wohl kaum möglich, aber eine Vorstellung von der Steuerkraft der jungen Stadt Schongau und des Dorfes Mering gibt die Summe schon.

Wir zeigen neben anderem die Verpfändungsurkunde in einer Replik (das Original liegt im Wittelsbacher Hausarchiv im Hauptstaatsarchiv München), dazu Urkunden (zum Teil mit Siegel und Originalunterschrift) von allen wichtigen Herzögen und Kurfürsten für Schongau, besonders die Kaiserurkunde Ludwigs des Bayern, mit der er 1331 alle bestehenden Stadtrechte zusammenfasste.