AKTUELL

Andacht mit Pfarrer Jost Herrmann in der evangelischen Kirche von Schongau

An die dreißig Leute hatten sich eingefunden, einige von Amts oder Berufs wegen, aber die meisten allgemein interessiert, um die neugestaltete Dreifaltigkeitskirche im Rahmen einer Andacht zu besuchen.

Pfarrer Jost Herrmann nützte die Gelegenheit, die Anwesenden, wohl in der Mehrzahl keine Gemeindeglieder, an die Geschichte zu erinnern: wie es in dem letzten Jahrzehnt vor 1900 für die kleine evangelische Gemeinde hier in der Stadt nicht mehr tragbar war, die Gottesdienste im Ballenhaussaal und in der heutigen Musikschule abzuhalten, auch weil die Zahl der Evangelischen deutlich zugenommen hatte. Schließlich bekamen sie die Genehmigung für einen Kirchenbau auf einem Grundstück „weit draußen vor der Stadt“ und tatsächlich konnte, trotz Kriegsbeginn, durch die tatkräftige Zuhilfe „katholischer Handwerker“ der Bau 1915 fertiggestellt und 1916 geweiht werden.

Pfarrer Herrmann zitierte aus der Botschaft des Mindelheimer Pfarrers anlässlich der Einweihungsfeier an die Kirchengemeinde: Nicht das Wichtigste sei das Haus aus Stein, sondern dass sie selbst „lebendige Steine“ würden und schließlich aus der Kraft der Heiligen Schrift, der Sakramente und des Gebets selbst „ein Tempel Gottes aus lebendigen Steinen“. Diese Gedanken verband Pfarrer Herrmann im Anschluss mit dem Gebet, dass alle lebendige Steine der weltweiten Kirche werden mögen.

Im Folgenden betrachtete Pfarrer Herrmann die neuen Prinzipalien, indem er auf ihre Funktion und Bedeutung einging. Den Anfang machte er mit dem Ambo, der in der evangelischen Kirche Lesepult genannt wird und wo „die Verkündigung von Gottes Wort auf das ‚echte, alltägliche‘ Leben der Gemeinde und ihrer Menschen“ treffe. – Von hier aus verkündete Pfarrer Herrmann danach auch die Losung des Tages mit den Bibelstellen Psalm 6,2 und 1.Thessalonicher 5,9.

Die einzelnen Teile der Andacht wurden durch Musikstücke unterbrochen. Kirchenmusiker Till Twardy hatte dafür kurze Stücke von Johann Sebastian Bach ausgewählt, die in ihrem zarten, frischen Klang den Möglichkeiten des kleinen Leihinstruments (die Orgel ist noch nicht fertig) sehr entgegenkamen.

Dann kam Pfarrer Herrmann auf das Taufbecken und den Altar als den beiden Orten der Sakramente zu sprechen. Unter anderem betonte er, dass die Taufe kein Schutzzauber sei, aber wir spüren sollten, dass daraus das Versprechen Gottes erwachse, „keinen Weg im Leben alleine gehen zu müssen“. Dazu zitierte er Mt. 28,19-20.

2021 03 03 Andacht Evang. Kirche 1

Dann erwähnte Pfarrer Herrmann, dass es der Kirchengemeinde so wichtig war, durch die Renovierung die Glasmalerei der Fenster im Altarraum besonders hervorzuheben. Diese stammen nämlich von dem „mit Abstand bekanntesten evangelischen Kirchenkünstler“ der 1960er bis 1980er Jahre, der noch dazu als Schongauer Künstler angesehen werden könne. Die drei Fenster nehmen mit „Weihnachten, am Anfang war das Wort – Passion und Ostern – Pfingsten mit dem Heiligen Geist“ Bezug auf die Dreifaltigkeit, den Titel der Kirche.

Die Künstlerin der neuen Prinzipalien, Sabine Straub, hatte ihren Entwurf bewusst auf diese Fenster mit den schwarzen Rahmen bezogen und dabei durch die Leichtigkeit, besonders beim Altar, erreicht, dass die Fenster als abschließendes Element des Altarraums den Blick auffangen und damit das bildübergreifende Thema der Dreifaltigkeit hervorheben. Zugleich strahlen sie mit ihrer Farbkraft in den sonst weiß-grau-blau gehaltenen Raum aus und verleihen ihm eine insgesamt zurückhaltend edle Wirkung. Von den früheren Prinzipalien wurde nur das goldene Holzkreuz von Karlheinz Hoffmann links vor dem Chorbogen aufgestellt, als Gegengewicht zur massiven Kanzel der Erstausstattung.

Zuletzt sprach Pfarrer Herrmann noch von der zentralen Bedeutung des Altars als Tisch des Herrn. An ihm versammelt sich die Gemeinde, um das Abendmahl zu empfangen und dabei die Nähe Gottes zu erfahren. – Vom Altar aus formulierte er abschließend noch Bitten der Gemeinde an Gott, bevor der Kirchenmusiker mit einem fröhlichen Marsch die bemerkenswerte Stunde beschloss.

Die Nachwirkung war spürbar. In gebührendem Abstand wurde vor der Kirche noch manches Wort gewechselt, ehe sich die Einzelnen nach und nach auf den Heimweg machten.

© Text und Bild: Heide-Maria Krauthauf

 

Der WELF 20-2020 ist erschienen.

Der Band 20, Jahrgang 2020, liegt seit dem 15. Dezember 2020 auf.
Er enthält folgende Beiträge:

Thomas Hermann: Die Apokalypse im Pfarrhof. Eine Instandsetzung in Kinsau mit Dachbodenfund

Karl Filser: Mathias Baur (1808–1882). Großer Floßmeister in Apfeldorf und bedeutender Holzhändler zwischen Ammersee und Hohem Peißenberg

Jost Herrmann, Harald Scharrer: Die evangelische Kirche in Schongau. Veränderung des Kirchenraums und der Ausstattung mit einer Betrachtung der von Hubert Distler geschaffenen Farbglasfenster von Julia Steller

Rainer Schmid: Die kleine Welt im und nach dem Großen Krieg – Das Jahr 1918, Nachwirkungen und Erinnerungen im Spiegel der Schongauer Nachrichten und anderer Quellen

Franz Grundner: Aktuelle Neuerwerbung des Stadtmuseums Schongau 2020. Standarte (Vereinsfahne) mit Fahnenband des Velociped-Clubs Schongau

Luitpold Braun: ZU: Die Kugler, eine jüdische Familie aus Schongau, in: Der Welf 19-2019, S. 95–104. Berichtigung und Ergänzung

Manfred Müller: Bibliographie für Schongau und Umgebung 2019 bis 2020

Unser Verein

Veranstaltungen des Historischen Vereins von November 2019 bis Oktober 2020

Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen im Stadtmuseum Schongau von November 2019 bis Oktober 2020

Unser Verein in der Übersicht 2020

Das Jahrbuch ist zum Verkaufspreis von 15,00 € erhältlich:

  • im Stadtmuseum Schongau (Christophstraße 53) zu den Öffnungszeiten
  • in der Bücher-Galerie Schongau (Münzstraße 7)
  • in der Buchhandlung am Bach in Peiting (Meierstraße 2)
  • bei Schreibwaren Robert Seitz in Schongau (Tannenberger Straße 8 b)
  • im Kaufhaus Bögle in Rottenbuch (Klosterhof 3)

 

Zeitreise durch 285 Jahre Gärtnerei-Geschichte

Eigens an die Mitglieder des Historischen Vereins war die Einladung ergangen, am 4. Oktober an einer Führung durch die noch bis zu 1. November laufende Ausstellung „Gärtnerei Pröbstl – 285 Jahre“ im Stadtmuseum Schongau und an einem Spaziergang zu deren Geschichte teilzunehmen. Die 29-jährige Kuratorin der Ausstellung Anna-Lina Pröbstl war hierzu gemeinsam mit ihren Eltern Rupert und Iris Pröbstl, die gegenwärtig die Gärtnerei in der achten Generation führen, sowie mit Luitpold Sedlmeier gekommen. Nach einer allgemeinen Einführung führte sie Corona bedingt mit ihrer Mutter die rund 20 Teilnehmer in zwei Gruppen durch die Ausstellung. Dabei stellte sie sich auch den Fragen zu den ausgestellten Exponaten und zur Geschichte ihrer Familie. Insbesondere die Gerätschaften dürften bei dem ein oder anderen Teilnehmer Erinnerungen an zurückliegende Zeiten geweckt haben. Deren Auslage sei, so Anna-Lina Pröbstl, auch nur deshalb noch möglich, weil man früher nichts einfach weggeworfen, sondern zur weiteren Verwendung repariert habe. Und so steht in der Ausstellung unter den vielen Gartengeräten auch die Lieblingsmaschine der jungen Frau, eine Erdtopfpresse. In dieser wurden mit der darin gefüllten Erde durch Druck kleine Erdpressballen für Gemüsesaaten oder Jungpflanzen hergestellt. Aber auch die zahlreichen illustrierten Schautafeln vermögen es, den Besuchern die seit 1735 währende Geschichte der ältesten Privatgärtnerei Bayerns näherzubringen.

Nach dem Anfang im Museum hatte Anna-Lina Pröbstl die Teilnehmer noch zu einem Spaziergang von den Anfängen bis zur Gegenwart der Gärtnerei eingeladen. Und so flanierte man an diesem herrlichen Herbstsonntag gemeinsam in die Bauerngasse zu der Stelle, von der aus der bis ins Jahr 1928 genutzte alte Gärtnerei-Standort noch einsehbar ist. In dem dortigen Haus lebten mit Georg Pröbstl und seinem Sohn Franz auch zwei langjährige Bürgermeister der Stadt. Ersterer hatte das Amt von 1842 bis 1854 inne, sein Sohn von 1876 bis 1899.

Danach ging es durchs Münztor weiter in die Augsburger Straße, in die Georg Pröbstl seinerzeit in sechster Generation die Gärtnerei verlegt hatte. Dort bestand die Gelegenheit, neben den Gewächshäusern auch den 1994 angebauten Laden zu besichtigen. Als die knapp zweistündige Führung gegen 15 Uhr zu Ende ging, hatten viele Mitglieder des Historischen Vereins allerlei Neues zur Geschichte der Gärtnerei Pröbstl sowie über Schongau selbst erfahren können. Zum Abschluss gab es als Dank für Anna-Lina Pröbstl aus den Händen der 1. Vorsitzenden des Historischen Vereins Heide-Maria Krauthauf noch ein Geschenk und von der Beschenkten für alle Teilnehmer ein paar Tomaten. Heide-Maria Krauthauf zeigte sich auch von dem in der Ausstellung ausliegenden Flyer sehr angetan, in dem sich ein Beitrag zur Hausgeschichte von Franz Grundner und Harald Scharrer befindet, Anna-Lina Pröbstl selbst und Luitpold Sedlmeier über die Firmengeschichte schreiben.

Bi1 Gärtnerei Pröbstl 04.10.20
Eigens zu einer Führung von interessierten Mitgliedern des Historischen Vereins durch die noch bis zum 1. November laufende Ausstellung „285 Jahre Gärtnerei Pröbstl“ war deren 29jährige Kuratorin Anna-Lina Pröbstl (2. von links) gemeinsam mit Vater Rupert (2. von rechts) und Mutter Iris (rechts) sowie Luitpold Sedlmeier (links) ins Stadtmuseum Schongau gekomme

Bi2a Gärtnerei Pröbstl 04.10.20
Anna-Lina Pröbstl bei der Erläuterung der Erdtopfpresse, ihrer Lieblingsmaschine unter den im Museum ausgestellten Gartengeräten.

© Text und Bild: Manfred Ellenberger

 

 

 

Der WELF 19-2019 ist erschienen.

Er wurde am 14. Dezember 2019 vorgestellt.
Der Band enthält folgende Beiträge:

Franz Grundner: Geschichtslegenden um das Schongauer Ballenhaus

Manfred Merk: Die Pröpstetafel des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Rottenbuch

Harald Scharrer: 100 Jahre öffentliche Bibliotheken in Schongau

Luitpold Braun: Die Kugler, eine jüdische Familie aus Schongau

Alfred Gößmann: Die Naturdenkmäler im ehemaligen Landkreis Schongau

Helmut Schmidbauer: Festakt: Stadt Schongau 750 Jahre bei Bayern.
„Und auf dem Herzen ist es weiß und blau“

Franz Grundner: Neuerwerbungen des Stadtmuseums Schongau 2018/2019

Manfred Müller: Bibliographie für Schongau und Umgebung 2018 bis 2019
   
Veranstaltungen des Historischen Vereins von November 2018 bis Oktober 2019
Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen im Stadtmuseum Schongau von November 2018 bis Oktober 2019

Unser Verein in der Übersicht 2019             

Das Jahrbuch ist zum Verkaufspreis von 14,- € erhältlich:

- in Schongau im Stadtmuseum zu den Öffnungszeiten,
- in der Bücher-Galerie (Münzstraße 7), 
- in Peiting bei Buch am Bach (Meierstraße 2)

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